ProzessbegleitgruppeNADESCHDA heißt Hoffnung -
wie Frauen versuchen, Hoffnung leibhaftig zu stärken

Menschenhandel ist Frauenhandel - das ist auch in Ostwestfalen traurige Realität. 90 % aller Opfer von Menschenhandel sind Frauen und Kinder.
Schlechte Zukunftsperspektiven, hohe Arbeitslosigkeit und wachsende Armut in Ost- und Mitteleuropa tragen dazu bei, dass Frauen in den „Goldenen Westen“ migrieren wollen. Schleppern fällt es leicht, Frauen mit falschen Versprechungen nach Deutschland zu locken. Sehr viele geraten in Abhängigkeit von den Zuhältern und werden zur Prostitution gezwungen. Ein Entkommen ist aus vielerlei Gründen kaum möglich.

Solchen Frauen steht die Frauenberatungsstelle NADESCHDA für Opfer von Menschenhandel in Herford bei. Trägerin ist die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. NADESCHDA ist zuständig für den Großraum Ostwestfalen und wurde 1997 auf Initiative einer Gruppe von Frauen im Rahmen der Dekade „Kirchen in Solidarität mit den Frauen 1988 - 1998“ gegründet. Sozialarbeiterinnen betreuen die Opfer, die in Deutschland zur Prostitution gezwungen werden. Sie beraten sie, bringen sie anonym unter, vermitteln psychologische und ärztliche Betreuung und begleiten sie bei Prozessen gegen die Menschenhändler und Vergewaltiger. Denn etliche der betroffenen Frauen sagen vor Gericht gegen ihre Peiniger aus - eine quälende Prozedur für diese traumatisierten Frauen.

Hier beginnt die Arbeit der Prozessbegleitgruppe, (gegründet 1999).
Etwa 20 ehrenamtliche Frauen aus Ostwestfalen versuchen, den Opferzeuginnen im Gerichtssaal den Rücken zu stärken. Durch eine Telefonkette werden sie über einen anstehenden Prozess in Herford, Bielefeld, Osnabrück oder andernorts informiert.
Wer Zeit hat, fährt hin. Für die Opferzeuginnen ist es wichtig, dass auch andere im Zuschauerraum sind, nicht nur Freunde und Angehörige ihrer Peiniger.

Es ist nicht immer leicht, was die Prozessbegleiterinnen anhören müssen.
Eine erklärt: „Ich habe genau überlegt, ob ich es ertrage. Beim ersten Mal war es sehr schwer. Nicht im Gerichtssaal, aber zuhause kamen die Bilder. Doch das hat sich gegeben. Sonst hätte ich aufhören müssen.“ Eine andere ergänzt: „Der Austausch mit den anderen - direkt danach oder am nächsten Tag - hilft mir. Es macht mir Mut.
Ich bleibe dabei. Die Frauen brauchen unsere Solidarität.“ Denn die Leiden der Frauen lassen die Prozessbegleiterinnen nicht kalt.

Darum stehen sie nicht nur den Opferzeuginnen bei. Sie verstehen sich im und außerhalb des Gerichtssaals als Öffentlichkeit. Sie erzählen in ihrem sozialen Umfeld von den Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die hier bei uns oft direkt vor unserer Haustür geschehen, denn vielen Menschen ist dieser Skandal völlig unbekannt.
Auch das wollen die Ehrenamtlichen von NADESCHDA ändern.

Nadeschda
Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel
Bielefelder Straße 25
32051 Herford
Tel.: 05221 840200
Fax: 05221 840201
e-Mail: nadeschda-owl@t-online.de