Leitsätze für den Weltgebetstag
Beschlossen auf der 11. Internationalen WGT-Konferenz in Toronto 2007
Aus: Ideen und Informationen zum WGT 2008, Guyana, 292 - 295.
1. Ausgangspunkt: Christliche Frauen
a. Wir anerkennen, dass christliche Frauen kompetent sind, ihren Glauben auszudrucken und über ihr Leben zu sprechen im Gebet und im Gottesdienst, vor Gott und in der Gemeinschaft.
b. Christliche Frauen verstehen sich selbst und einander als Christinnen vor Gott, die aus verschiedenen theologischen und kirchlichen Traditionen kommen, die sie gegenseitig respektieren.
c. Sie verstehen ihren Glauben an Jesus Christus und die Bibel als die gemeinsame Basis, aus der heraus sie ihr Gebet und ihren Gottesdienst gestalten.
2. Hören und Reden
a. Das Gebet wurzelt im Hören auf Gott und aufeinander. Am Weltgebetstag hören wir auf Gottes Wort und auf die Stimmen von Frauen, die uns teilhaben lassen an ihren Hoffnungen und Ängsten, an ihren Freuden und ihrem Kummer, an ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen.
b. In einer Atmosphäre aufmerksamen Zuhörens finden Frauen ihre Stimme und können aus ihren Erfahrungen heraus sprechen. Wir können „einander ins Reden hineinhören“.
c. Die Verpflichtung zum Reden und Hören schafft die Grundlage für echten Dialog.
d. Dialog findet beim Weltgebetstag statt zwischen Frauen, die weit voneinander entfernt sind, und zwischen Frauen daheim. Die Stimme der weit entfernten Frauen gelangt vor alle in schriftlicher Form zu uns und fragt uns nach kreativen Wegen, wie wir mit ihnen ins Gespräch kommen können. Eine sorgfaltige Vorbereitung der WGT-Gottesdienste ist nötig, um Gemeinden vor Ort zu befähigen, mit einzustimmen in das informierte Gebet am ersten Freitag im März.
3. Treue und Kreativität
a. Der Weltgebetstag ruft Frauen zu Treue gegenüber der Gottesdienstordnung auf, die sie empfangen, und zu Treue gegenüber den Frauen, die sie geschrieben haben.
b. Im Rahmen dessen, was die Übersetzung in verschiedene Sprachen und die Interpretation in verschiedene Kontexte erforderlich macht, bemühen sich WGT-Frauen um Treue gegenüber den Texten, die sie empfangen, und bringen so die Stimmen der Frauen eines anderen Landes zu Gehör.
c. Wertschatzendes und genaues Zuhören öffnet uns auch die Augen und fuhrt zur Kreativität beim Bauen von Brücken zwischen verschiedenen Kontexten.
d. Der Weltgebetstag ermutigt zu einer kreativen Feier des WGT-Gottesdienstes, welche die jeweils eigene Antwort auf das Thema, die Bibeltexte und die Berührungspunkte zwischen Frauen in verschiedenen Teilen der Welt zum Ausdruck bringt.
e. Eine authentische und kreative Feier des Weltgebetstagsgottesdienstes weitet den Horizont aller Teilnehmenden. Sie fordert das so wichtige ökumenische Gebet und stärkt die ökumenische Solidarität auf lokaler Ebene und weltweit.
4. Den Mut haben, über das Vertraute hinauszugehen und andere einzubeziehen
a. Es braucht Mut, andere von ihrem Blickwinkel her zu verstehen statt vom eigenen Standpunkt aus.
b. Uns über das Eigene hinauszubewegen und auf andere zuzugehen, verlangt von uns, uns durch unseren eigenen Widerstand hindurchzuarbeiten, Hindernisse zu überwinden und Grenzen zu überschreiten.
c. Es liegt erneuernde Kraft darin, die Hände auszustrecken zu weit entfernten Frauen ebenso wie zu solchen, die in der Nahe wohnen, und zu neuen Generationen von jungen Frauen.
d. Andere einzubeziehen, inklusiv zu sein, fuhrt zur Begegnung mit der Weite und der Tiefe der christlichen Erfahrung.
5. Teilen bringt beides zum Ausdruck: alle haben etwas zu geben und zu empfangen
a. Jedes Jahr teilen die Frauen eines bestimmten Landes durch die Liturgie ihren Glauben und ihr Leben mit ihren Schwestern rund um die Welt.
b. Im abwechselnden Verfassen der Liturgie kommt zum Ausdruck, dass alle fähig sind, zu geben und zu empfangen.
c. Wenn wir einander teilhaben lassen an Gebeten, Musik, Kunst und Kultur, dann entdecken wir unsere Gemeinsamkeiten und unsere Unterschiede, die wir feiern und als bereichernd erfahren können.
d. Das Teilen von Ressourcen geschieht auf vielerlei Weise. Durch Teilen von Gaben, Talenten, Fertigkeiten, Gastfreundschaft, Fürsorge, Zeit, Engagement, Verlässlichkeit, Beharrlichkeit und von anderen Formen der Hilfe.
e. Durch Kollekte beim Weltgebetstag teilen Frauen ihre Ressourcen mit Frauen und Kindern rund um die Welt.
6. Weltweite ökumenische Schwesterlichkeit entwickeln;
Vertrauen untereinander aufbauen.
a. Wir beginnen auf der persönlichen Ebene mit Respekt und Aufrichtigkeit.
b. Diese Offenheit hilft, Beziehungen aufzubauen, die weitere Schritte möglich machen.
c. In einer Atmosphäre des Vertrauens können trennende Schranken überwunden werden.
d. Gottes Vertrauen in uns macht uns fähig und mutig, einander zu vertrauen.
e. Eine vertrauensvolle Haltung ist der Schlüssel zum Aufbau authentischer ökumenischer Beziehungen.
7. Als Christin in einer multi-religiösen Welt in guter
Nachbarschaft mit anderen leben
a. Unser Gebet am Weltgebetstag ist christliches Gebet, das in einer multi-religiösen Welt stattfindet.
b. Durch Jesus Christus gerufen, ihre Nächsten zu lieben, streben christliche Frauen danach, mit allen Menschen um sie herum in guter Nachbarschaft zu leben, auch mit Menschen aus anderen religiösen Traditionen.
c. Zwar wird heute auf verschiedenen Ebenen nach Formen interreligiösen Gebets gesucht, doch der Weltgebetstag konzentriert sich auf die Stärkung ökumenischer Beziehungen durch christliches Gebet.
d. Wenn Menschen aus anderen Religionen Weltgebetstagsgottesdienste besuchen wollen oder wenn Frauen Nachbarinnen und Nachbarn aus anderen Religionen einladen mochten, sind diese als Gaste willkommen, die wir in christlicher Gastfreundschaft aufnehmen.
8. Dem Lernen verpflichtet, nach Weisheit strebend
a. Jedes Jahr wird der Weltgebetstag für Frauen zum Ansporn, zu lernen und sich weiterzubilden.
Frauen begrüßen die Gelegenheit, über die Bedeutung des Themas des jeweiligen Weltgebetstags nachzudenken und das Leben von Menschen in anderen Ländern kennen zu lernen. Sie sind leidenschaftlich daran interessiert, ein neues Verständnis von Kulturen, Ausdruckformen des christlichen Glaubens, Ursachen für soziale Probleme und brennende Weltprobleme zu gewinnen und Wege zu entdecken, sie zur Sprache zu bringen.
b. Der Weltgebetstag fordert eine Haltung des Lernens, die offen ist für neue Perspektiven und hilft, eine Fülle von Weisen aufzubauen, das sich auf frühere Jahre stutzen kann.
c. Der Weltgebetstag fordert den Gebrauch und die Entwicklung geeigneter Informations- und Bildungsmaterialien. Materialien, die von schriftlichen Texten bis zu neuen Medien reichen können.
d. Der Weltgebetstag versteht Lernen als einen wechselseitigen Prozess, in dem man miteinander und voneinander lernt. Gemeinsam streben wir nach einer Weisheit, die unseren Erkenntnissen Gestalt gibt und unser Händeln im täglichen Leben leitet.
e. Der Weltgebetstag hilft uns, besser zu verstehen, was unser Eigenes ist, und zu schatzen und respektieren, was anders ist als unser Eigenes. Differenzieren zu lernen, ist ein wichtiger Teil unseres Lernprozesses. So entwickeln wir eine globale Perspektive, die einem Regenbogen mit vielen Farben gleicht und die sich unterscheidet von den Kräften, welche die „Globalisierung“ in einer Weise vorantreiben, die das Leben von Menschen und ihre Kulturen abwertet.
f. Jedes Jahr greifen das WGT-Thema und der WGT-Gottesdienst einen anderen Aspekt christlicher Theologie in ökumenischer Arbeit auf. So trägt der Weltgebetstag zum ökumenischen Lernen und zum volleren Verständnis unseres christlichen Glaubens bei.
9. Zum verantwortlichen Händeln kommen
a. Beim Weltgebetstag ist jede Frau eingeladen, sich zu engagieren und ihre Gaben einzubringen.
Alle Zeit, Fähigkeiten und Dienste, die zur Verfugung gestellt werden, alle Informationsarbeit, die geleistet wird und alles Vertrauen, das aufgebaut wird, bilden die Grundlage für ein weiterführendes Händeln.
b. Der Weltgebetstag ermutigt zu verantwortlichem Händeln, das aus dem Gottesdienst und seinem Thema erwachst. Es ist wichtig, dass Handlungsschritte mit Weisheit und Unterscheidungsvermögen gewählt werden und für die Frauen, die sich dabei engagieren, stimmig sind.
c. Die Schritte zum Händeln beginnen da, wo die Frauen sind, in ihrem täglichen Leben und in ihren Gemeinden, und sie können weit hinausreichen bis hinein ins tägliche Leben von Frauen in anderen Ländern.
d. Wenn Frauen Schritt für Schritt vorwärts gehen, bringen sie damit Mut und Hoffnung. Die Bereitschaft, den Problemen der Welt ins Auge zu sehen, die soviel Leiden verursachen, verlangt Mut. Kleine Schritte zu tun und Schritt für Schritt vorwärts zu gehen ist ein Zeichen von Hoffnung, auch wenn man sich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert sieht.
e. Der Weltgebetstag ist aus kleinen Samenkörnern zu einer weltweiten ökumenischen Bewegung gewachsen, zu einem Baum, der Jahr für Jahr weiter wachst. Wir vertrauen darauf, dass Gott den Samen die Kraft gibt zu wachsen und dem Baum die Kraft, Frucht zu trägen. Gott stärkt uns auf unserer Reise, auf der wir Schritt für Schritt miteinander weitergehen.
Gebet
Gott, Du Quelle unserer Kraft, wir danken Dir.
Du verwandelst das Samenkorn zur Frucht.
Du nährst und erhältst uns.
Du bist bei uns auf einfachen und schwierigen Wegen
und machst uns fähig, einander zu begleiten.
Wir bitten Dich, lass uns Deiner Kraft vertrauen,
die sich des Kleinen annimmt
und die aus zaghaften Anfangen
Wunderbares wirken kann.
Sei uns nahe, leite und bewege uns.
Wie aus den Körnern vieler Felder das Brot wird,
so mache aus uns vielen eine Gemeinschaft,
Zeichen der Hoffnung in dieser Welt.