Jahresbericht 2018

(Januar 2019)

Jahresbericht 2018 (Januar 2019)

Verbandliche Frauenhilfearbeit - bildungsorientiert, gemeindebezogen

In der Satzung der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. (EFHiW) ist formuliert, dass sie ihre Arbeit „bildungsorientiert, gemeindebezogen und sozialdiakonisch“ gestaltet. Schon mit dieser Satzungsformulierung ist deutlich gemacht, wie eng alle Handlungsfelder unseres Verbandes miteinander verknüpft sind. Nicht zuletzt mit der Beschreibung der Stelle der leitenden Pfarrerin als geistliche Leitung des Verbandes und Geschäftsführerin aller Einrichtungen und den Aufgaben des Vorstandes, der zugleich die Funktion eines Aufsichtsrates einnimmt, wird diese Verknüpfung bestätigt und strukturell festgelegt. Auch die Öffentlichkeitsarbeit wird nicht getrennt nach Verbandsarbeit und Einrichtungen wahrgenommen.

Wir verstehen Verbandsarbeit im Sinne von Stärkung der Verbundenheit und der Verbindlichkeit untereinander - zwischen den Frauenhilfefrauen, den Gruppen, den Verbänden, den Einrichtungen, den Gremien, den Haupt- und Ehrenamtlichen. Begegnung und Information - beides online und offline - sind dazu die geeigneten „Instrumente“.
Um Verbundenheit und Verbindlichkeit durch Information zu stärken, ist z.B. das Handbuch für Frauenhilfeleiterinnen entwickelt worden, in dem von „Abschied von einer Frauenhilfeschwester“ bis „Zinsabschlagssteuer“ manches aufgenommen ist, das die gemeindebezogene Arbeit unterstützt.
Die Begrüßung jeder neuen Frauenhilfeleiterin und jedes neuen Vorstandsmitglieds in unseren Verbänden sowie die Verabschiedung ihrer jeweiligen Vorgängerinnen ist seit Jahrzehnten guter Brauch. Die gottesdienstliche Einführung in das Ehrenamt hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und wird - wenn terminlich möglich - durch den Landesverband begleitet.

Neue Leiterinnen und Vorstandsfrauen werden nach Soest eingeladen, um im persönlichen Gespräch und im Austausch untereinander beim Start in ihre Ämter ermutigt und unterstützt zu werden.
Neue Vorstandsmitglieder in den Mitgliedsverbänden trafen sich mit Birgit Dittrich-Kostädt und Inge Schnittker am 12.03.2018. Die Gespräche waren sehr intensiv und konstruktiv.
Am 12.November 2018 trafen sich elf neue Leiterinnen der Frauenhilfe-Gruppen aus fünf Verbänden in Soest. Sie besprachen mit Birgit Dittrich-Kostädt und Inge Schnittker u.a. über Strukturen, Geld und Materialien und tauschten sich untereinander aus.

Ein neues Angebot für Gruppenleiterinnen „Den Schlüssel finden - Schlüsselelemente für das erfolgreiche Gruppenleiten“ - gibt Anregungen für die Arbeit in der Frauenhilfegruppe und ist für die Gruppenleiterinnen kostenfrei.

Immer mal wieder ist leider auch die Auflösung einer Gruppe zu bestätigen. Eine Auflösung ist mehr als eine formale „Abwicklung“ und Schließung einer Gruppenakte. Eine Auflösung ist auch ein Traditionsabbruch, ein Verlust von Zugehörigkeit. Seit einiger Zeit bitten wir die Leiterinnen, die uns eine Auflösung mitteilen, um die Namen und Adressen der Gruppenmitglieder. Wir schreiben den Frauen persönlich, um ihnen für ihre oft jahrzehntelange Mitgliedschaft zu danken und sie einzuladen, in ihrem Verband oder im Landesverband weiterhin als Einzelmitglied der Frauenhilfe verbunden zu bleiben.

Rundbriefe, Infos, Regionale Workshops dienen der innerverbandlichen Kommunikation ebenso wie der interne Bereich im Internet und seit Sommer die mobile App „Frauenhilfe unterwegs“. Über Facebook sind alle eingeladen, mit uns und untereinander zu kommunizieren.

Im Juli und September dieses Jahres haben - wie in den Vorjahren - vier Regionale Workshops stattgefunden unter der Leitung von Manuela Schunk und Birgit Reiche. Das Thema der Workshops war „Früher war alles besser, oder? Veränderte Rahmenbedingungen ehrenamtlicher Arbeit wahrnehmen und gestalten“. Aus aktuellem Anlass spielte die EU-Datenschutzgrundverordnung und deren Konsequenzen für den Verein Frauenhilfe eine Rolle, um möglichen Verunsicherungen in den Gruppen und Verbänden zu begegnen und ein abgestimmtes Vorgehen miteinander zu verabreden. Neben den sachlichen Informationen ist für die Teilnehmerinnen der verbändeübergreifende Austausch untereinander wichtig.

In den Verbänden schaffen Jahresfeste, Bezirksverbandsfeste, Jubiläen und zahlreiche andere Angebote Räume, sich zu begegnen, Verbundenheit und Gemeinschaft zu erleben.

Der Vorstand setzt sich seit dem 30. Oktober 2018 wie folgt zusammen: Vorsitzende ist Inge Schnittker, Erika Denker und Vizepräsident Ulf Schlüter (neu gewählt in der Mitgliederversammlung) sind die Stellvertretenden Vorsitzenden, Dagmar Gravert ist Schatzmeisterin. Weitere Vorstandsmitglieder sind
Helga Berghoff, Petra Buschmann-Simons, Christiana Grimm, Dr. Beate von Miquel, Jeane Otto-Bairaktaris, Daniela Stiftel-Völker, Angelika Waldheuer und berufenes Mitglied Iris Jänicke.
Vier Vorstandssitzungen, vorbereitet durch den Geschäftsführenden Ausschuss, finden jährlich statt. Die Vorstandsmitglieder nehmen unterschiedliche Aufgaben bzw. Gremienvertretungen wahr. Entsprechend ihrer Beauftragungen und Berufungen nahmen die Vorstandsmitglieder an Sitzungen, Tagungen, Arbeitsgruppen, sowie an Empfängen und Festveranstaltungen teil. Um den Kontakt zwischen Einrichtungen der EFHiW und dem Vorstand intensiver zu gestalten, gibt es Zuordnungen der Vorstandsmitglieder zu den Arbeitsfeldern.

Um zukunftsfähig aufgestellt zu sein, hat der Vorstand eine Steuerungsgruppe eingesetzt, die die in Arbeitsgruppen aufgeteilte Arbeit koordiniert. Die Steuerungsgruppe besteht aus Vorstandsmitgliedern, Teammitarbeiterinnen und leitender Pfarrerin. In den Arbeitsgruppen geht es um die Vorbereitung von Satzungsänderungen im nächsten Jahr, um die Erarbeitung eines Konzeptes für die gemeindebezogene Frauenhilfearbeit, um die Wiederbesetzung der Stelle der Leitenden Pfarrerin nach deren Eintritt in den Ruhestand und um die zukünftige Struktur der Konsultationsgespräche.

Insgesamt 54 Veranstaltungen der Familienbildung fanden 2017 statt mit 534 Erwachsenen, Kindern bzw. Jugendlichen. Unsere langjährige Mitarbeiterin - davon 23 Jahre zuständig für die Familienbildung -
Regina Sybert-Goldstein
ist zum Ende des Jahres 2018 in den Ruhestand gegangen.
Ihre jahrelange, erfolgreiche Arbeit mit einem starken regionalen Bezug der Angebote war für die Evangelische Frauenhilfe ein wichtiger Motor für die Entwicklung des „Standort Soest“.
Die Steuerungsgruppe hat nach sorgfältiger Prüfung, nicht zuletzt der Kostenentwicklung für die Frauenhilfe, vorgeschlagen, diese Stelle nicht mit dem Auftrag „Leitung des Familienbildungswerkes“ und gefördert als HPM des Familienbildungswerkes Westfalen und Lippe e.V. wieder zu besetzen.
Die Stelle soll im Frühjahr 2019 als 0,5-Stelle mit einer Mitarbeiterin besetzt werden. Ihren Schwerpunkt soll sie in der verbandlichen Frauenhilfearbeit haben. Dabei sollen Bezirks-, Stadt- und Synodalverbände unterstützt werden, um neue Angebotsformate zu entwickeln und Frauengruppen einzuladen, die bislang nicht der Frauenhilfe angeschlossen sind. Der Vorstand ist in seiner Septembersitzung diesem Vorschlag gefolgt.

Ein so großer, traditionsreicher und sozial-diakonisch engagierter Verband wie die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen kann nicht nur bei sich bleiben, sondern hat eine politische, kirchliche und soziale Verantwortung zur Mitgestaltung, zur Zeitzeuginnenschaft, zur Weitergabe und Aufnahme von Impulsen und Ideen.
Vorstand, Leitende Pfarrerin, die Verbandsreferentinnen und -pfarrerinnen ebenso wie die Leiterinnen und Leiter der Einrichtungen und Mitarbeitende der Verwaltung arbeiten in kirchlichen, diakonischen und politischen Gremien auf regionaler sowie auf Landes- und auf Bundesebene mit.

Es gehört zu unserem Profil, deutlich Stellung zu beziehen zu politischen, und kirchlichen Themen mit frauenspezifischem Blick. So wurden im Herbst die Herausforderungen in Kirche, Gesellschaft und Politik benannt nach Ende der Ökumenischen Dekade „Solidarität der Kirchen mit den Frauen“ vor 20 Jahren. Diese Stellungnahme wurde einstimmig von der Mitgliederversammlung verabschiedet. 
Im Juni wurde beim bundesweiten Vernetzungstreffen der evangelischen Fachberatungsstellen gegen Menschenhandel eine vielbeachtete Stellungnahme verabschiedet, die Forderungen an Bund, Länder und Kirchen stellte zur Verbesserung der vorhandenen Situation.
Beide Stellungnahmen sind im Internet nachzulesen.

Verbandliche Begegnungsmöglichkeiten gab es in diesem Berichtsjahr u.a. in unseren Konferenzen, bei den Konsultationsgesprächen und bei den Jahresthematagungen.
In den Jahren 2017 und 2018 wird zum zweiten Mal ein Jahresthema der EFHiW in zwei aufeinanderfolgenden Jahren bearbeitet. „Sich für Frieden begeistern“ lautete der Titel 2017. „Friede auf Erden - machbar!?“ lautete der Titel des Jahresthemas 2018.
Die Begeisterung für den Frieden angesichts weltweiter Bedrohungen und Konflikte, aber auch angesichts von Gefährdungen des sozialen Friedens in unserem Land bis hin zu Verwerfungen zwischen den Generationen, machen es nicht leicht, Begeisterung und Engagement zu erhalten. Umso wichtiger ist es, dass die Teilnehmerinnen sich in Bibelarbeiten auf biblische Tradition beziehen, Trost und Ermutigung in gemeinsamen Andachten finden und in Geschichte und Gegenwart nach Menschen suchen, die Vorbilder sein können und ermutigen.

Neben dem Jahresthema ist der Weltgebetstag (WGT) ein starkes Bindeglied aller Ebenen des Verbandes.
Die Kampagne „Friedensnobelpreis für das internationale WGT-Komitee“ hatte auch in diesem Jahr eine große Bedeutung. Es haben fast 45.000 Frauen am Ende zu den Unterzeichnenden gehört. Entsprechend groß war auch das Interesse der Medien, sodass Claudia Montanus zahlreiche Pressegespräche und Rundfunktermine wahrgenommen hat. Es ist der EFHiW schließlich bis Februar gelungen, einen Fürsprecher zu finden, der das Komitee für den Nobelpreis vorschlug. Schon diese Resonanz ist ein Erfolg für die Kampagne.
Wir sind froh, dass Denis Mukwege und Nadja Murad den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten haben. Damit erhält in diesem Jahr der Preis einen Schwerpunkt, der seit Jahrzehnten der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen ein großes Anliegen ist: Frauen sind in Kriegszeiten und anderen bewaffneten Konflikten besonders gefährdet.
Ein weiterer Höhepunkt für viele war das WGT-Fest am 01.07.2018 in Soest. Alle WGT-Mitwirkende waren dazu eingeladen - ein Fest mit Gottesdienst, Musik, Workshops und sowohl passiv als auch aktiv Beteiligten aus der Ökumene.
Neben diesen Höhepunkten gab es auch die alljährliche „Alltagsarbeit“. Es fanden zwei WGT-Reisen in das WGT-Land 2019 „Slowenien“ statt und insgesamt fünf WGT-Werkstätten.
Die Vorbereitung des WGT für Kinder konnte in diesem Jahr sein 20. Jubiläum feiern. Im Anschluss an das Arbeitswochenende gab es im kleinen Kreis ein festliches Mittagessen mit Dank für die Referentinnen.
In den Verbänden und Gruppen wird der WGT ebenfalls intensiv vorbereitet mit Veranstaltungen zur Vorbereitung. Die Termine werden von Claudia Montanus und ehrenamtlich Engagierten wahrgenommen. Als Regionalstelle ist die EFHiW auch für den Materialverkauf eine wichtige Größe: 900 Bestellungen mit insgesamt 37.000 Ordnungen und 23.000 Postkarten werden fertig gemacht.

Zwischen Februar und Mai 2018 fanden in zehn Verbänden der Evangelischen Frauenhilfe Landfrauentage statt; die meisten davon unter der Beteiligung der Landfrauenbeauftragten der EFHiW Pfarrerin Birgit Reiche. Sie hielt entweder einen Vortrag zum Thema „Faire Supermärkte - ein Wegweiser durch das Label-Labyrinth“ oder über „Frauen in der Bibel“. Nach wie vor erfreut sich der evangelische Landfrauentag in den veranstaltenden Verbänden großer Beliebtheit. Zwischen 50 und 250 Frauen haben an den Veranstaltungen teilgenommen. Die Landfrauentage gehören ebenfalls zu den traditionsreichen Veranstaltungsformen, die die enge Verzahnung von Bezirks- oder Stadtverbände mit dem Landesverband in einer Region deutlich machen.

Durch die Themensetzungen beim Jahres-thema und bei den Konferenzen ebenso wie bei den Bildungsangeboten versuchen wir, gemeinsame Orientierung in politischen, theologischen, kirchlichen und persönlichen Fragen zu finden.

Die Frühjahrskonferenz fand vom 19. bis 20.04.2018 statt. Ihr Thema war: „Ich bin schick und Du musst schuften“ - Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie.
Fünf Jahre zuvor kamen beim Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes in Sabhar über 1.100 Textilarbeiterinnen ums Leben mehr als 2.000 wurden verletzt. Diese Katastrophe war Hintergrund dafür, dass sich 40 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen aus den Vorständen der Frauenhilfen auf kreiskirchlicher Ebene in einer zweitägigen Konferenz im April in Soest erneut mit den Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie beschäftigten. Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero (CIR) in Münster referierte über Geschichte und aktuelle Themen der „Kampagne für saubere Kleidung“. Schon 1998 hat sich der Frauenverband der „Kampagne für saubere Kleidung“ angeschlossen und für einige Jahre aktiv im Trägerinnenkreis mitgearbeitet. Seitdem verfolgt der Frauenverband die Entwicklungen und nimmt immer wieder einzelne Themen in seine politische und Bildungsarbeit auf.

Mehr als 30 Delegierte aus den Verbänden der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. beschäftigten sich im Rahmen einer Konferenz vom 5. bis 6. Oktober 2018 mit dem Thema Demenz. In allen Lebenslagen beteiligt sein und bleiben: wer will das nicht? Wie dies trotz des Verlustes von kognitiven Fähigkeiten gelingen kann, verdeutlichte Peter Wißmann, Leiter der Demenz Support Stuttgart. Dafür kamen sie angereist aus dem Ruhrgebiet, aus Ost- und Südwestfalen sowie aus dem Münsterland. Anregungen, welche Spiritualität in Andachten Menschen mit Demenz erreicht, zeigte Pfarrerin Antje Lewitz-Danguillier auf. Die in Dortmund-Mengede tätige Theologin belegte durch unterschiedliche Beispiele, wie Menschen mit Demenz ihre Selbstwirksamkeit vermittelt werden kann. Praktische Antworten und Übungen gab es durch Mitarbeiterinnen des Soester Alten- und Pflegeheimes, Lina-Oberbäumer-Haus.

Unter Erwachsenenbildung werden all die Bereiche zusammengefasst, die nach dem Weiterbildungsgesetz des Landes NRW geplant und abgerechnet werden und alle gesetzlichen Erfordernisse eines Weiterbildungsangebotes erfüllen. In 2017 wurden 3.871 Unterrichtsstunden und 4.100 Teilnahmetage gemäß dem Weiterbildungsgesetz NRW durchgeführt. Bei den Teilnahmetagen beteiligt sind zudem Qualifizierungsmaßnahmen des Fachseminars, Veranstaltungen des Landesverbandes und die Bildungsreisen der EFHiW. Die Unterrichtsstunden werden zu einem erheblichen Teil in Wengern, den Mitgliedsverbänden und Gruppen erbracht.
Im März 2018 fand eine Konferenz der Beauftragten der Erwachsenenbildung der Bezirks-, Stadt- und Synodalverbände statt. Den Beauftragten wurden die Grafiken und Zahlen vorgelegt, wie sie sich auch in diesem Geschäftsbericht finden. Außerdem wurden Absprachen zu Regularien der Anmeldung und des Umgangs mit dem Programm „EB-Plan“ besprochen.
Die Teilnehmenden betonten, wie hilfreich die Unterstützung durch das Büro der Erwachsenenbildung in Soest sowohl bei der Planung als auch bei der Abrechnung ist.

Das Reiseprogramm hat einen stabilen, ständig wachsenden Interessentinnen- und Teilnehmerinnenkreis. Wir ergänzen unser Reiseprogramm immer mehr um Angebote für Frauen, die unsere Fernreisen - so in die WGT-Länder oder in Länder des Nahen Ostens - nicht wahrnehmen können und wollen. Teilnehmerinnen der WGT-Reisen sind gefragte Referentinnen später bei den Vorbereitungstagungen in den Regionen.
Alle Angebote, die alle vom Verein nicht subventioniert werden, werden gut bis sehr gut angenommen.

Das seit vielen Jahren bewährte modulare Fortbildungsangebot für Presbyterinnen in Kooperation mit dem Frauenreferat der Landeskirche wird weiterhin gut angenommen. Im März 2018 fand wieder Teil 3 der Fortbildung mit 19 Teilnehmerinnen statt.
Ende Juni gab es eine Premiere: Der „Basiskurs Kirche und Diakonie“ startete als Kooperationsveranstaltung zwischen der Evangelischen Bildungsstätte Bethel und der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen. Es besteht aus sechs Modulen und wird in den Jahren 2018 bis 2019 in der Tagungsstätte Soest angeboten. Er richtet sich an berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Diakonie und Kirche - oder solche, die es werden wollen.

Bildungsangebote brauchen auch Orte. Die EFHiW unterhält zwei: Das Bad Driburger Hotel Erika Stratmann und die Tagungsstätte Soest.
Die Tagungsstätte Soest hat in 2018 eine steigende Nachfrage, insbesondere auch für Übernachtungen, zu verzeichnen. Es übernachten und tagen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen in der Tagungsstätte: kirchliche und „freie“ Chöre, Gruppen aus dem Soester Umfeld bis hin zu Bundesverbänden, Selbsthilfegruppen und Fortbildungen für Menschen aus dem medizinischen Bereich und viele mehr. Für die Frauen aus den Gruppen und Verbänden der Frauenhilfe ist die Tagungsstätte nach wie vor ein wichtiger Ort. Sie kommen gerne ins Haus, genießen den Stil des Hauses und die persönliche Atmosphäre.
Für das Hotel Erika Stratmann werden immer wieder Spezialangebote entwickelt und neue Zielgruppen angesprochen. Die Nachfrage nach Plätzen für die Urlaubsangebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen geht zurück. Es wird nun darum gehen, ein neues
Klientel zu erschließen, das Angebot zu überprüfen und eventuell zu „modernisieren“. Die Aufenthaltsqualität des Hauses wird ständig verbessert, z. B. durch den Ausbau eines Bar-/Bistrobereiches mit Service - Annehmlichkeiten im Hause, auf die gerne zurückgegriffen wird.

Anti-Gewalt-Arbeit

Das FRAUENHAUS SOEST bietet insgesamt 19 Plätze für Frauen und ihre Kinder. Im Jahresverlauf 2017 nutzten 54 Frauen und 80 Kinder das Haus, um aus einer Gewaltbeziehung zu flüchten. Dies ist im Vergleich zu den Vorjahren ein erneuter Anstieg, der verdeutlicht, wie aktuell das Thema „Häusliche Gewalt“ nach wie vor ist.
Trotz dringenden Hilfebedarfs konnten erneut nicht alle hilfesuchenden und von Gewalt betroffenen Frauen aufgenommen werden.
Kapazitätsprobleme, körperliche Behinderungen, psychische Erkrankungen und Suchtprobleme erschweren oder schließen eine Aufnahme im Frauenhaus aus.
Mehrheitlich waren die Frauenhausbewohnerinnen zwischen 26 und 40 Jahre alt und brachten Kinder im Alter bis 14 Jahre mit. Die durchschnittliche Verweildauer im Haus lag zwischen einem und drei Monaten.
Neun Frauen sind nach dem Frauenhausaufenthalt direkt in eine eigene Wohnung gezogen, einige sind bei Freunden oder Verwandten untergekommen; sechs Frauen sind in andere soziale Einrichtungen oder Frauenhäuser gewechselt.
Aus den unterschiedlichen Gründen kehren auch immer wieder Frauen in ihre alte Wohnung und die Gewaltstrukturen zurück. Oft benötigen von Gewalt betroffene Frauen mehrere Anläufe, um sich dauerhaft aus einer Gewaltbeziehung zu befreien.

Es gibt viele Formen häuslicher Gewalt, die Übergänge sind fließend. Häusliche Gewalt kommt in fast allen Kulturen sowie allen sozialen Schichten vor und betrifft Frauen aller Altersstufen. Die Frauen, die sich für einen Aufenthalt im Frauenhaus entscheiden, werden beraten und begleitet durch fünf pädagogische Fachkräfte mit unterschiedlichen Stellenanteilen. Die Bedarfe der Bewohnerinnen und deren Kinder sind groß, die Aufgaben vielfältig. Stetig ist das Konzept zur nachhaltigen Beendigung der Gewalt sowie zur Stärkung der Frauen und ihrer Kinder, selbstwirksam und dauerhaft ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt zu führen, weiterzuentwickeln und Kooperationen mit anderen Hilfesystemen einzugehen. Eine besondere Herausforderung war und ist die Arbeit mit traumatisierten geflüchteten Frauen und ihren Kindern. Ein ungeklärter Aufenthaltsstatus und eine Wohnsitzauflage verschärfen die angespannte Situation zusätzlich, da keine verlässliche Lebensperspektive entwickelt werden kann. Sprachbarrieren und unterschiedliche Lebensweisen erfordern neue Handlungsoptionen, die im Team erarbeitet und in der täglichen Arbeit umgesetzt werden.

Die Arbeit mit den Kindern der Bewohnerinnen hat einen hohen Stellenwert. Häufig sind sie Opfer traumatischer Erfahrungen, haben die Gewalt zwischen den Eltern direkt miterlebt. Der Kinderbereich des Frauenhauses bietet einen Freiraum zum Kind sein, Spielen, Toben, Basteln sowie zum Erleben von Spaß und Vergnügen. Die pädagogische Arbeit tritt mit Kontinuität und Verbindlichkeit der gewaltbedingten Verwirrung entgegen. In der Woche bekommen die Kinder ein kostenloses Frühstück, haben die Möglichkeit an einem persönlichkeitsfördernden Anti-Aggressionstraining und am erlebnispädagogischen Reiten teilzunehmen.

Für gewaltbetroffene Frauen bietet das Frauenhaus ambulante Beratung nach dem Gewaltschutzgesetz und leistet mit den Kursangeboten „Starke Mütter - Starke Kinder“ und „Stärken stärken“ seit Jahren Präventionsarbeit.
Ehemalige Bewohnerinnen erhalten auf Wunsch eine nachgehende Betreuung. Für Opfer von schweren Sexual- und Gewaltstraftaten besteht die Möglichkeit über das Frauenhaus Psychosoziale Prozessbegleitung zu erhalten.

2018 stand ganz im Zeichen der Realisierung des Spendenprojekts: „Eine neue Küche für das Frauenhaus“, an dem sich Frauenhilfen und viele andere großzügig beteiligt haben.

Die Belastung der Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle NADESCHDA hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Im Jahr 2017 sind insgesamt 79 Frauen mit ihren 30 Kindern durch die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle betreut und begleitet worden. Im ersten Halbjahr 2018 waren es bereits 82 Frauen und 18 Kinder. Zum Teil gab es mehrere Neuaufnahmen pro Woche. Der Trend, dass immer mehr Afrikanerinnen in die Betreuung aufgenommen worden sind, hat sich fortgesetzt; über 60 % der Klientinnen kamen aus westafrikanischen Staaten.

Das Projekt „Flüchtlingsberatung für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind“, das durch Mittel der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung finanziert wird, konnte auch 2018 fortgesetzt werden. In der Erstaufnahme in Bielefeld beteiligt sich die Beratungsstelle NADESCHDA an wöchentlichen Sprechstunden und hat ein Frauen-Café mit aufgebaut. Auch in der Außenstelle der Erstaufnahme ist im Jahr 2017 ein solches Angebot aufgebaut worden. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeitende in der Flüchtlingsarbeit in Ostwestfalen-Lippe werden durch Schulungen für das Problem Menschenhandel sensibilisiert. Für das Projekt konnten Stellenaufgestockt und Teilzeitstellen eingerichtet werden.
Ebenfalls im Rahmen dieses Projektes fand im Frühjahr 2018 wieder ein bundesweites Vernetzungstreffen der evangelischen Fachberatungsstellen für Opfer von Menschenhandel statt. Auch bei dieser Tagung ging es um das Thema Menschenhandel und Asyl.
Sondermittel für die Flüchtlingsarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen wurden auch 2018 für eine weitere Stellenaufstockung bei NADESCHDA bewilligt.

Die steigenden Klientinnenzahlen aufgrund der Opfer von Menschenhandel unter den Geflüchteten, die zu uns kommen, betreffen alle Fachberatungsstellen und bringen sie an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Als Vertreterinnen von NADESCHDA sitzen Birgit Reiche und Corinna Dammeyer an einem Expertentisch des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW, der Leitlinien zur Identifizierung von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen erarbeiten soll.
Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW hat auf die Zunahme der betreuten Frauen jetzt reagiert: Ab 2019 werden mehr Personalstellen der spezialisierten Beratungsstellen gefördert. Auch bei NADESCHDA ist es eine halbe Stelle mehr, so dass eine teilzeitbeschäftigte Mitarbeiterin ab 2019 dauerhaft auf einer vollen Stelle arbeiten wird.
Neben der wichtigen Sozialarbeit beteiligen sich die Mitarbeiterinnen und die Leitung an regionalen, landes- und bundesweiten Netzwerken und politischen Aktionsbündnissen.

Ende Oktober 2015 wurde entschieden, dass das Projekt Hilfe-Lotsinnen der Beratungsstelle THEODORA für die Jahre 2016 bis 2018 durch Mittel des Europäischen Hilfsfonds für am stärksten benachteiligte Menschen in Deutschland (EHAP) gefördert wird. Diese Projektförderung sichert den Fortbestand der Arbeit von THEODORA bis Ende 2018. Seit Anfang 2018 stand wieder die Frage nach der Weiterfinanzierung der Beratungsstelle THEODORA ab 2019 im Raum. Für THEODORA wurde das Bewerbungsverfahren für eine weitere zweijährige Förderung durch den Europäischen Hilfsfonds erfolgreich absolviert. Noch liegt es zwar nicht schriftlich vor, aber es sieht so aus, dass damit der Fortbestand von THEODORA für diese beiden Jahre gesichert ist.
Im Jahr 2017 sind 537 Prostituierte durch die aufsuchende Arbeit in 82 Prostitutionsbetrieben in ganz OWL erreicht worden. 171 Frauen und über 70 Kinder sind im Jahr 2017 durch die Beratungsstelle THEODORA beraten und weitervermittelt worden. Nach jetzigem Stand sind die Zahlen für 2018 voraussichtlich noch höher. Vor allem junge Prostituierte aus Bulgarien, Polen, Rumänien und Deutschland wenden sich mit ganz unterschiedlichen Problemen an die Beratungsstelle. Sie prostituieren sich nur, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, für sich und ihre Kinder Geld zu verdienen. Die Sozialarbeit von THEODORA unterstützt häufig ganze Familien, weil die Klientinnen mehrere Kinder haben.

Die Förderung der Beratungsstelle TAMAR Südwestfalen durch Aktion Mensch lief Ende September 2017 aus. Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. und der Bezirksverband der Siegerländer Frauenhilfen e.V. sind für die Fortsetzung der Arbeit der Beratungsstelle aus Eigenmitteln bis einschließlich März 2018 eingesprungen. Eine zweijährige Projektförderung des Landes aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Landesmitteln wurde erst ab April 2018 bewilligt.
Mehrmals die Woche sind die Mitarbeiterinnen im Beratungs-Bulli in ganz Südwestfalen unterwegs und haben so im Jahr 2017 612 Frauen in 77 Prostitutionsbetrieben erreicht. 115 Frauen wendeten sich mit einem weitergehenden Beratungsbedarf an TAMAR, zehn von ihnen befinden sich im Ausstiegsprozess.

Auch um eine Alternative für die Mitarbeiterinnen bieten zu können, wurde im Sommer 2017 ein Antrag bei Aktion Mensch für den Aufbau einer weiteren Beratungsstelle „Tamar Münsterland“ gestellt. Eigentlich war dieser Schritt erst für einen späteren Zeitpunkt geplant. Dieser Antrag wurde Ende des Jahres bewilligt, so dass parallel mit der Weiterentwicklung von TAMAR Südwestfalen der Aufbau von TAMAR Münsterland umgesetzt werden konnte. Leider hatte eine Mitarbeiterin inzwischen eine andere Arbeit angenommen, so dass gleich drei neue Mitarbeiterinnen gesucht und eingestellt werden mussten. Seit Mai 2018 ist das Team von TAMAR komplett: Alle vier Mitarbeiterinnen arbeiten in beiden Beratungsstellen. Am 8. Juni wurden die Mitarbeiterinnen und Pfarrerin Birgit Reiche als Leitung der Beratungsstelle TAMAR in einem Gottesdienst in Münster in das neue Arbeitsgebiet eingeführt. Die Bezirksverbände im Einzugsbereich haben beim anschließenden Empfang ihre Bereitschaft zur Unterstützung der neuesten Beratungsstelle zum Ausdruck gebracht.

Behindertenhilfe im Ennepe-Ruhr-Kreis

Die Digitalisierung im FRAUENHEIM WENGERN nahm im Jahr 2018 großen Raum ein. Bei jedem Digitalisierungsschritt müssen fast 160 Mitarbeitende mit unterschiedlichen Vorkenntnissen motiviert und geschult werden. Das bedeutete im Jahr 2018, dass ab März 160 Mitarbeitende an insgesamt 18 Schulungstagen jeweils pro Thema einen Schulungstag á fünf Stunden durchlaufen haben.
Zusätzlich erschwert werden der gesamte Digitalisierungsprozess und der Umgang mit der Erfassung und Weitergabe von Daten durch die Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung.

Ein Ehrenamt im Frauenheim zu übernehmen - regelmäßig über eine lange Zeit - war in den letzten Jahren für viele ehemalige Mitarbeitende des FRAUENHEIM eine Selbstverständlichkeit. Auch unterstützen städtische Mitarbeitende nach dem Ausscheiden aus dem Dienst und in der Politik engagierte Bürgerinnen und Bürger die Arbeit des Frauenheims regelmäßig. Seit dem letzten Jahr engagieren sich projektbezogen Angehörige der Bewohnerinnen und Bewohner und Klientinnen und Klienten bei den verschiedenen Veranstaltungen. Durch die Öffentlichkeitsarbeit im Jubiläumsjahr 2017 sind viele außenstehende Personen auf das Frauenheim aufmerksam geworden, interessieren sich für die betroffenen Menschen und versuchen sich einzubringen.
Zurzeit sind sieben ehemalige Mitarbeitende ehrenamtlich tätig, acht Personen mit Bezügen zu Stadt und Politik, 12 Angehörige und 11 sogenannte „an der Arbeit interessierte Personen und Gruppierungen“.
Alle Ehrenamtlichen werden geschult im Umgang mit Menschen mit Behinderungen: Behinderungsbilder und besondere Verhaltensweisen sowie Kommunikation. Sie werden am Anfang immer von hauptamtlich Tätigen begleitet und haben in problematischen Situationen später immer Ansprechpartnerinnen in der Nähe.
Das Frauenheim bedankt sich bei den Ehrenamtlichen einmal im Jahr mit einem Tagesausflug und mit Einladungen zu den verschiedenen Veranstaltungen. Zu besonderen Geburtstagen erhalten sie einen Gruß.

Die Personen, die sich von den Diensten und Einrichtungen des FRAUENHEIM WENGERN begleiten lassen, benötigen Informationen und Assistenz, um gleichberechtigt am politischen Leben teilzuhaben. Beides bietet das Frauenheim an, und zwar durch den Arbeitskreis Politik und durch die Unterstützung der Beiräte und einzelner Bewohnerinnen und Klientinnen bei ihren Aktivitäten.

Auf Grund des Bundesteilhabegesetzes haben die weiblichen Beschäftigten der WfbM im Herbst 2018 die erste Frauenbeauftragte und ihre Stellvertreterin in der WfbM gewählt. Die Tätigkeit der Frauenbeauftragten, der Stellvertreterin und der Assistenz werden über den Pflegesatz teilweise finanziert.

Da die berenteten oder nicht werkstattfähigen Bewohnerinnen und Klientinnen genauso in ihren Rechten als Frau gestärkt und vor Gewalt zu schützen sind, wurde - ohne gesetzliche Grundlage - die „Frauenbeauftragte Wohnen“ gewählt. Ihre Tätigkeit und ihre Assistenz werden nicht staatlich finanziert, sondern ausschließlich durch Spenden.

Die Frauenbeauftragten, Stellvertreterin und Assistenz arbeiten zusammen. Zu ihren Aufgaben gehören u.a. die Organisation und Durchführung des Frauencafés am internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November und am 14. Februar die Aktion „one-billion-rising“.

Die Frauenbeauftragten organisierten in diesem Jahr zum ersten Mal die Veranstaltung „one-billion-rising“ vor dem Gebäude der WfbM-Außenstelle Schöntal. Zudem luden die weiblichen Beschäftigten der WfbM-ESV (ESV = Europäische Stiftung Volmarstein) ein und die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung. Zur Unterstützung kamen der Bürgermeister und der Behindertenbeauftragte der Stadt Wetter mit.

Der Böllberg ist dabei, sich als inklusiver Veranstaltungsort zu etablieren. Nicht nur die Cafeteria wird von Frauenhilfegruppen bei öffentlichen Veranstaltungen genutzt, sondern auch der Hof mit Remise und Kuhstall eignen sich als Örtlichkeit für regionale Veranstaltungen. So fand am 25. Juni zum zweiten Mal der Böllberger Band-Kult statt. Die Bewohner-Band „Boys of Power“ spielte gleichberechtigt, gleich laut, gleich beklatscht, gleich bejubelt neben den Bands „celtic voyager“ und „refresh“ auf.

Die im letzten Jahr begonnene deutsch-französische Partnerschaft mit der Einrichtung „Foyer de vie de vertcoeur - Fondation Anne de Gaulle“ wurde im Mai fortgesetzt. Sieben Frauen besuchten die Einrichtung und verbrachten eine vergnügliche und abwechslungsreiche Woche mit Bewohnerinnen und Klientinnen in Wengern und Umgebung. Die Aussöhnung zwischen ehemals verfeindeten Völkern und Kulturen wird so auch von Menschen mit Behinderung fortgesetzt.

Die Tagesstruktur „Treff Nordstraße“ vom ambulanten Dienst NAOMI ist ein voller Erfolg. Die neuen Räumlichkeiten bieten neue Angebotsmöglichkeiten für größere Personengruppen, aber auch für einzelne Personen. So können Krisengespräche jetzt während des laufenden Betriebes in nicht einsehbaren Räumen geführt werden. Es wurde ein „Mittagstisch“ für alle ambulanten Klientinnen und Klienten und für alle im Ort stationär wohnenden Personen eingeführt. Es treffen sich immer zwischen 15 und 25 Personen. Eine Person sucht das Gericht aus und geht mit der Mitarbeiterin einkaufen. Alle helfen samstags und sonntags beim Kochen mit. Das Mittagstischangebot findet nicht nur bei Personen Anklang, die nicht so gut kochen können, sondern auch bei denen, die nicht alleine in ihrer Wohnung essen wollen.

Ein neues Wohnprojekt wird vom ambulanten Dienst NAOMI verwirklicht: drei Wohnungen in einem Haus im Ort sollen angemietet werden, in denen junge Männer mit Bindungsproblemen, Fremd- und Selbstaggression und vielem mehr - die sogenannten „jungen Wilden“ - intensiv begleitet werden. Eine Betreuung in separaten Wohnangeboten für Männer und Frauen mit diesem Behinderungsbild hat sich nachweislich als arbeitserleichternd herausgestellt. Die Gewaltausübungen in diesen Gruppensettings sind „weniger oft“.

Nach kleineren Anfangsschwierigkeiten und räumlichen Anpassungen der WfbM Wengern im Gewerbegebiet Schöntal in der Eingewöhnungszeit läuft der Betrieb überwiegend reibungslos. Die größeren Raumkapazitäten machen sich für die Auftragserledigung und die Arbeitsplatzgestaltung schon positiv bemerkbar. Die Auftragslage ist gut und die Nähe zu neuen möglichen Auftraggebern im Gewerbegebiet zeigt erste positive Ergebnisse. Es konnte bereits ein zusätzlicher Auftraggeber gewonnen werden. Außerdem ergeben sich neue Möglichkeiten dadurch, dass Beschäftigte in einem benachbarten Unternehmen mitarbeiten können bzw. Praktika machen können. Damit kann eine größere Nähe zum allgemeinen Arbeitsmarkt hergestellt werden. Auch diese Nähe zum allgemeinen Arbeitsmarkt war ein Ziel des Umzugs der WfbM in das Gewerbegebiet.

Für den Berufsbildungsbereich gab es schon einige Kontakte und Praktika von interessierten Menschen mit Behinderungen aus der Umgebung, die bisher jedoch nur in zwei Fällen zu zusätzlichen Aufnahmen führten. Hier werden noch mehr Kontakte benötigt; noch mehr Informationsarbeit muss geleistet werden, um die Belegungszahlen zu verbessern. Die Zusammenarbeit mit dem LWL bezüglich einer reibungsloseren Aufnahme laufen schleppend.

Die Beschäftigten aus dem naheliegenden Wohnbereich Haus Schöntal profitieren in hohem Maße von ihren nun fußläufig zu erreichenden Arbeitsplätzen. Das gemeinsame Konzept von Wohnen und Arbeiten im Schöntal mit selbstbestimmtem und selbständigem, stadtnahen Wohnen sowie der kurze Weg zur Arbeit haben sich schon bewährt.

Nach einem längeren Beratungs- und Abwägungsprozess zwischen den Verantwortlichen in Wengern und der Geschäftsleitung der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. wurde beschlossen zum 30.06.18 den Arbeitsbereich Fleischerei nicht mehr weiterzuführen. Davon betroffen sind fünf betreute Beschäftigte und ein Mitarbeiter der Werkstatt. Für alle sind neue Tätigkeitsfelder gefunden worden. Sie arbeiten mittlerweile im Gartenbau, in der Montage oder im Bio-Laden. Seit der Eröffnung 1995 hat sich die zu betreuende Klientel verändert. Der Hilfebedarf ist immer größer geworden und die Einschränkungen der einzelnen Betreuten nahmen zu. Daher wurde es immer schwieriger, Beschäftigte für den Bereich Fleischerei zu finden.
Somit beinhaltet nun die Produktpalette des Bio-Ladens keine Fleisch- und Wurstwaren mehr. Aus eigener Herstellung sind jedoch weiterhin Obst, Gemüse, Kräuter, Kartoffeln, Gartenblumen und Gemüsejungpflanzen aus der BIOLAND-Gärtnerei, Bio-Eier aus eigener Hühnerhaltung wie auch tiefgekühlte Hähnchen und Hähnchenteile aus eigener Haltung zu erhalten. Gut angenommen werden die neuen Fruchtaufstriche von Beeren sowie Obstsäfte und Gemüsetrunk aus eigener Ernte. Ausgeweitet werden Aktionen wie Beerenobst und Schnittblumen zum Selberpflücken.
Die Arbeitsbereiche Landwirtschaft, Gartenbau, Bio-Laden, die Montagegruppen sowie Wäscherei und Hauswirtschaft bleiben wie bisher bestehen. Statt Rinder- und Schweinemast zu betreiben, konzentriert sich die Landwirtschaft nun auf Ferkel- und Rinderzucht sowie den Kartoffelanbau.

Psychiatrische Dienste im Märkischen Kreis

Die Belegungssituation im Haus WegWende ist durchgängig sehr gut. Am 11. Juli 2018 feierten die Bewohnerinnen und Bewohner das 20-jährige Jubiläum des Hauses. Das Motto des Jubiläums war „Kirmes“, die auf dem Hofgelände aufgebaut war. Das Jubiläum ist bewusst ausschließlich mit Bewohnerinnen und Bewohnern gefeiert worden, da für sie die Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern, des Verbandes und der Öffentlichkeit eher eine Belastung als eine Freude ist.

Vom 02. - 06.07.2018 sind 11 Bewohne-rinnen und Bewohner für eine Woche an die Nordsee gefahren und haben dort in der Nähe von Norddeich eine Urlaubsfreizeit verbracht.

Die Verhandlungen mit der Stadt Werdohl um ein Grundstück für einen Ersatzbau für das Haus Wegwende, konnten leider noch nicht abgeschlossen werden.

Das Ambulant Betreute Wohnen Frauenhilfe konnte nach langem Suchen endlich neue Büroräumlichkeiten in der Bahnhofstraße 15 in Werdohl umziehen. Der Umzug hat im Juni stattgefunden und schließlich fand am 31.08. diesen Jahres ein Tag der offenen Tür mit der offiziellen Einweihung der neuen Räumlichkeiten statt. Die neuen Räumlichkeiten erlauben es nun, dass eine Sprechstunde angeboten werden kann und zugleich das Angebot erweitert werden kann um einen Café-Treffpunkt. In dem Café können Klientinnen und Klienten, die bereits durch das Ambulant Betreute Wohnen begleitet werden, deren Angehörige, aber auch Interessierte zusammenkommen.
Im Mai 2018 waren im Ambulant betreuten Wohnen 16 Mitarbeitende hauptamtlich beschäftigt, sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergänzten das Team nebenamtlich. Ebenfalls mit dem Stand Mai 2018 waren 110 Klientinnen und Klienten in der Betreuung des Ambulant betreuten Wohnens, die über den LWL (Landschaftsverband Westfalen und Lippe) finanziert wurden sowie vier selbst zahlende Klienten bzw. über die Jugendämter finanzierte Klienten in der Betreuung.

Die Tagesstätte in der Fußgängerzone in Werdohl ist derzeit bis zur höchsten Auslastungsstufe genutzt, obwohl einige Besucherinnen und Besucher aufgrund von Alter oder Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes oder eines Wechsels in berufliche Reha-Maßnahmen entlassen worden sind.
Das Novemberleuchten, der Tag der offenen Tür, war im November 2018 gut besucht und ist auch im Jahr 2019 wieder ein fester Programmpunkt.

Alten- und Pflegeheime

Die Belegung in den Soester Einrichtungen Lina-Oberbäumer-Haus und Hanse-Zentrum, war erneut sehr gut. Beide Häuser haben eine Warteliste sowohl für die stationäre Aufnahme als auch für die Kurzzeit- und die Verhinderungspflege.

Nachdem 2017 im ersten Halbjahr die Belegung im Haus Phöbe in Scherfede-Rimbeck gesunken war, konnte die Belegung im Jahr 2018 auf durchschnittlich rund 95 % gesteigert werden. Mit der Stadt Warburg und der Wirtschaftsförderung sind Gespräche aufgenommen worden wegen der möglichen Erschließung und Bebauung des gegenüberliegenden Grundstücks mit einem Gebäude für Tagespflege und altengerechten Wohnungen mit Serviceangeboten.

In den Soester Einrichtungen fand eine intensive Pressearbeit statt. Im Rahmen der 1. Soester Seniorenwoche gestalteten nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vielfältige Aktionen und Veranstaltungen, sondern auch die Bewohnerinnen und Bewohner selbst haben sich beteiligt. So öffneten Bewohnerinnen bzw. Bewohner des Hanse-Zentrums und Bewohnerinnen des Lina-Oberbäumer-Hauses ihre Zimmertüren und zeigten im Rahmen einer von der Öffentlichkeit sehr positiv wahrgenommenen Fotoausstellung in der Stadtbücherei Soest ihr individuelles Wohlfühl-Zuhause.

Die beiden Altenheime in Soest führten erstmalig mit großem Erfolg eine Veranstaltungsreihe zur Bundestagswahl durch. Eingeladen waren die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises Soest, die für die Menschenrechte und die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten. Allen Kandidatinnen bzw. Kandidaten wurden fünf gezielte Fragen gestellt, die zuvor in einem Arbeitskreis aus Mitarbeiterinnen, Bewohnerinnen und Bewohnern und auch Auszubildenden formuliert worden waren. Die Soester Öffentlichkeit war herzlich zu den Veranstaltungen, die wechselweise in den beiden Einrichtungen in Soest stattfanden, eingeladen.

Zum vierten Mal in Folge startete nach den Sommerferien das erfolgreiche Ehrenamtsprojekt mit der Hansa-Realschule in Soest. Erneut waren viele Mädchen und Jungen der 9. Klasse bereit, jeweils zwei Stunden über 20 Wochen des Schuljahres verteilt, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gesellige Nachmittage zu gestalten oder sich in der Einzelbetreuung mit ihnen individuell zu beschäftigen.

Vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der drei Einrichtungen in der Altenhilfe und den Auszubildenden der beiden Fachseminare der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. hielt Renate Herzer von der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz einen Vortrag über die Möglichkeiten einer Pflegekammer für Pflegeberufe in NRW. Renate Herzer war anlässlich des „Tages der Pflege 2018“ eingeladen worden.

Fachseminare für Altenpflege in Hamm und Soest

Im Juli 2017 wurde das neue Pflegeausbildungsgesetz im Bundestag verabschiedet. Im Juni 2018 folgte die Verabschiedung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung im Bundestag. Ein entsprechendes Rahmencurriculum wird zurzeit auf Landesebene erarbeitet. Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung lässt erkennen, dass die generalistische Pflegeausbildung einem völlig anderen und anspruchsvolleren pädagogischen Konzept folgen wird als die bisherigen Pflegeausbildungen. Anstelle einer Lernfeldorientierung tritt eine Orientierung an den zu erreichenden Kompetenzen der Auszubildenden.

Bis Ende 2019 wird jeweils mit einem neuen Ausbildungskurs pro Jahr in Hamm und Soest nach der alten Ausbildungs- und Prüfungsordnung begonnen. In Hamm wird bis dahin auch weiterhin die einjährige Altenpflegehilfeausbildung angeboten.

In einer Strategievereinbarung von 2013 haben die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen und das Klinikum der Stadt Soest vereinbart, bei der Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung zusammen zu arbeiten. Die Stärke der Fachseminare sind die Kontakte zu vielen Ausbildungsbetrieben in der stationären Altenpflege und in der ambulanten Pflege in den Bereichen Hamm und Soest. Der Vorteil der Krankenpflegeschule liegt in der besseren Finanzierung der Krankenpflegeausbildung.
Ab dem Ausbildungsjahr 2020 soll gemeinsam mit der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am Klinikum der Stadt Soest die dreijährige generalistische Ausbildung angeboten werden. Die Anzahl von vier jährlich beginnenden Kursen soll möglichst erhalten bleiben.
Sollte eine weitergehende Zusammenarbeit nicht zustande kommen, bliebe der Evangelischen Frauenhilfe noch die Möglichkeit, mit der generalistischen Ausbildung in alleiniger Trägerschaft zu beginnen.
Die Stelle der Leitung der beiden Fachseminare wurde ab September 2018 mit Bogdan Labanski, einem langjährigen Dozenten der Fachseminare, besetzt. Paul Linnemann, der Vorgänger, war in den Ruhestand getreten.

 

Die Zusammenstellung des Jahres 2018 wurde aus unterschiedlichen Meldungen und Berichten und durch unterschiedliche Mitwirkende vorgenommen von Manuela Schunk. Dezember 2018

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