Arbeit von TAMAR Südwestfalen eingestellt

(April 2020)

Arbeit von TAMAR Südwestfalen eingestellt (April 2020)

Die Prostituierten- und Ausstiegsberatungsstelle TAMAR muss mit dem Ende des Projektes ProBOA in den Kreisen Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis, Olpe, Soest und der Stadt Hamm ihre Arbeit am 14. April 2020 einstellen. Trotz intensiver Bemühungen ist es der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. als Trägerin nicht gelungen, alle Kreise in Südwestfalen für eine Förderung der Beratungsstelle TAMAR zu gewinnen. Lediglich mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein konnte eine Fördervereinbarung geschlossen werden.

„Als sich diese Entwicklung Ende des Jahres abzeichnete, haben wir uns bemüht, die Arbeit doch noch über Projektförderungen fortsetzen zu können“, schildert die Leiterin Pfarrerin Birgit Reiche. „Die lange Zeit der Unsicherheit hat jedoch dazu geführt, dass zwei der vier Mitarbeiterinnen sich beruflich umorientiert haben.“ Daher sind ab Mitte April noch zwei Mitarbeiterinnen in der Beratungsstelle tätig. Ihr Arbeitsschwerpunkt wird die Beratung im Münsterland sein. Dort läuft die Förderung noch ein Jahr weiter. Mit einem begrenzten Stellenanteil werden sie bis zum Jahresende auch für den Kreis Siegen-Wittgenstein zur Verfügung stehen. „Mit diesem Stellenanteil können wir weiterhin regelmäßig Kontakt in den Betrieben halten, uns an der Vernetzung im Kreisgebiet beteiligen und Frauen auch individuell psychosozial begleiten“, so Reiche. „In den übrigen Kreisen in Südwestfalen mussten wir schweren Herzens die Arbeit einstellen.“

Aktuell sei die Situation der Frauen in der Prostitution durch die Corona-Pandemie katastrophal: Sie dürfen zum einen nicht mehr arbeiten. Viele von ihnen können zum anderen auch nicht ins Herkunftsland ausreisen, da die Grenzen dicht sind. Die wenigsten können die Bedingungen erfüllen, um von den Hilfsmaßnahmen des Bundes zu profitieren. „Die aufsuchende Arbeit mussten wir einstellen“, erläutert Pfarrerin Birgit Reiche die Situation. Die Mitarbeiterinnen seien bemüht, die Frauen zu beraten, die sich telefonisch an die Beratungsstelle wenden. Nachdem es in der ersten Woche der Bordellschließungen sehr ruhig war, haben die Anfragen derzeit massiv zugenommen. „Frauen bei Bewerbungen für andere Verdienstmöglichkeiten, bei Antragstellungen und dem Ausfüllen von Formularen zu unterstützen, ist sehr arbeitsintensiv“, betont Reiche.

Mitte Dezember wurde noch hoffnungsfroh das fünf jährige Bestehen von TAMAR Südwestfalen begangen.
Die Dokumentation finden Sie hier.

 

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