Beratung von Prostituierten in
Ostwestfalen-Lippe wichtig

(März 2020)

Beratung von Prostituierten in Ostwestfalen-Lippe wichtig (März 2020)

Prostitution ist auch im ländlichen Bereich und kleineren Städten vertreten. Auch hier besteht das Recht auf den Zugang zu vorurteilsfreier, parteilicher Beratung. Die Zahlen der Beratungsstelle THEODORA aus dem Jahr 2019 sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2019 wurden 64 bordellähnliche Betriebe und Wohnungen in Ostwestfalen-Lippe aufgesucht. Dabei wurde Kontakt zu 547 Prostituierten aufgenommen. 108 Frauen wurden intensiv psychosozial und rechtlich beraten und begleitet, weiter 20 Klientinnen begleitete der Projektpartner REGE.

Es ist das erste Projektjahr des Projektes „ProBAT“, das von 2019 bis 2020 durch den Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP), das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die kommunalen Kreise und die Stadt Bielefeld gefördert wird. Bis Ende 2020 führt die Beratungsstelle THEODORA das Kooperationsprojekt „ProBAT“ (Prostituierten-Beratung, Armutsbekämpfung, Teilhabe) gemeinsam mit der REGE mbH-Bielefeld durch. Der Zuständigkeitsbereich von THEODORA – Projekt ProBAT umfasst die Region Ostwestfalen-Lippe und damit die Stadt Bielefeld sowie die Kreise Gütersloh, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn. Die Beratungsstelle THEODORA existiert seit 2011 und ist durch unterschiedliche Projektfinanzierungen in der aufsuchenden und intensiven Beratung für Prostituierte tätig. Daher kann sie auf langjährigen Vertrauensaufbau in der Region zurückgreifen bei der aufsuchenden und beratenden Arbeit.

Ohne die aufsuchende Arbeit wird die Zielgruppe mit Informationen und Hilfeangeboten nicht erreicht, weil viele Frauen aufgrund der geringen Sprachkenntnisse und fehlendes Wissen über das deutsche Sozialsystem gar nicht in der Lage sind, aktiv nach einem passgenauen Beratungsangebot zu suchen. Bereits in den Erstgesprächen werden Information zu gesundheitlich relevanten Themen und die rechtliche Regelung der Prostitution in Deutschland angeboten. Die Mitarbeiterinnen halten Flyer über die Angebote und Arbeitsbereiche der Beratungsstelle in derzeit 12 Sprachen vor. Sowohl bei den Besuchen in den Prostitutionsbetrieben als auch bei der individuellen Sozialarbeit spielt gesundheitliche Aufklärung eine wichtige Rolle. Der Gebrauch von Kondomen schützt nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor Ansteckung - das ist nicht allen Klientinnen bewusst. Die Mitarbeiterinnen von THEODORA fördern durch diese Aufklärung die Gesundheit der Sexarbeiterinnen.

Neben der aufsuchenden Arbeit stellt die individuelle Beratung und Begleitung der in der Prostitution tätigen Frauen einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit von THEODORA dar. Die Beratung erfolgt niederschwellig und klientinnenzentriert, telefonisch oder persönlich. Im Jahr 2019 hat die Beratungsstelle THEODORA 108 Frauen intensiv psychosozial und rechtlich beraten und begleitet; die Bildungs-Lotsin vom Projektpartner REGE mbH Bielefeld hat weitere 20 Klientinnen beraten. Außerdem wurden31 Kinder der Klientinnen mitbetreut, von denen 27 Kinder zu der für den EHAP relevanten Altersgruppe bis 7 Jahre gehören. 95 % dieser Frauen gehören zur Gruppe der Armutsprostituierten aus Ländern Mittel- und Osteuropas, die als besonders benachteiligte neu zugewanderte Unionsbürgerinnen ohne die Vermittlung durch das Projekt „ProBAT“ keinen Zugang zum regulären Hilfesystem haben. 68 der 108 intensiv betreuten Klientinnen von THEODORA wollten sich kurz- oder mittelfristig beruflich verändern. Von ihnen arbeiten 48 nicht mehr in der Prostitution.

Das EHAP Projekt „ProBAT“ ist ein Kooperationsprojekt mit der REGE mbH Bielefeld. Das Projekt wird durch das ‚Bundesministerium für Arbeit und Soziales‘ und den ‚Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen‘ (EHAP) für zwei Jahre bis Ende 2020 gefördert. Die kommunalen Kreise und Bielefeld unterstützen das Projekt durch die Übernahme des Eigenanteils von 5%. Somit werden die Mitarbeiterinnen zu Hilfe- und Bildungs- Lotsinnen für die Klientinnen und ihre Kinder. Die Trägerin der Beratungsstelle, die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V., übernimmt alle durch die Zuschüsse ungedeckten Kosten, der einschließlich kirchlicher Zuschüsse und Spenden, bei über 20 % der Finanzierung der Arbeit der Beratungsstelle liegt.

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