FÜR legales Arbeiten – GEGEN Sexkaufverbot

(Juni 2020)

FÜR legales Arbeiten – GEGEN Sexkaufverbot (Juni 2020)

Anlässlich des Welthurentages am 2. Juni spricht sich BufaS - das bundesweite Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter - wiederholt für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Sexarbeiter*innen aus. Während der Pandemiezeit mit ihrem Tätigkeitsverbot für Sexarbeitende ist eine finanzielle Unterstützung eine der aktuellen Forderungen.

Außerdem mahnt BufaS einen Zeitplan zur Wiederaufnahme der Sexarbeit an und dass eine langfristige Perspektive für die Branche ausgearbeitet wird. „Die Prostituierten brauchen echte Hilfen und Unterstützung statt Bußgeldern während des Tätigkeitsverbotes“, teilt Birgit Reiche, Leiterin von drei Prostituiertenberatungsstellen in Westfalen die Forderungen des BufaS. Birgit Reiche ist Leiterin der Prostituierten- und Ausstiegsberatung THEODORA in Ostwestfalen-Lippe und für die Prostituierten- und Ausstiegsberatung TAMAR in Südwestfalen und im Münsterland. Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. ist Trägerin dieser Beratungsstellen.

Sexarbeit habe schon immer einen hohen Anteil von Menschen gehabt, die von einen Tag auf den anderen leben. Aktuell haben sie keinerlei Einnahmen und oft keinen Anspruch auf Grundsicherung o.ä. Ein Nothilfe-Fonds für Sexarbeitende sei staatliche Aufgabe. „Der auf Spenden basierende Notfall-Fonds des Berufsverbandes erotischer und sexueller Dienstleistungen (BesD) hat seit März sehr geholfen - nun geht er zur Neige“, bestätigt Reiche. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nehmen die Sexarbeiterinnen ernst. „Es gibt auch andere, körpernahe Dienstleistungen mit Hygienekonzepten“, stellt Birgit Reiche fest. „Warum werden die Sexarbeiterinnen nicht gleichbehandelt mit vergleichbaren Branchen?“ Auch sie benötigen einen betriebswirtschaftlichen Planungshorizont, wie lange sie noch ohne Einnahmen überbrücken müssen. Nicht zuletzt müsse eine langfristige Perspektive für die Sexarbeit vorliegen. „Ein Sexkaufverbot lehnen wir ab, weil die Folge eines Verbotes die Verdrängung der Sexarbeit in das Dunkelfeld ist.“ Ziel seien die Verbesserungen von Arbeitsbedingungen, nicht weitere Regulierungen. Fachwissen der Sexarbeitsbranche sowie der unabhängigen Beratungsstellen für Sexarbeiter*innen sollen dabei berücksichtigt werden. Eine verlässliche Finanzierung der Fachberatungsstellen und ein flächendeckendes unabhängiges Beratungsangebot sind ebenfalls nötig.

Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen schließt sich den Stellungnahmen des BufaS und der Aidshilfe aus Anlass den Hurentages an und unterstützt die Aktion #RotlichtAn des BesD.

Weitere Informationen zu der Arbeit der Beratungsstellen sind zu finden unter www.theodora-owl.de und www.tamar-hilfe.de
Die Stellungnahme des BufaS ist online: www.bufas.net/stellungnahme-bufas-zum-welhurentag-2020/

Hintergrund zum Internationalen Hurentag:

Der Welthurentag ist ein inoffizieller Gedenktag, der von den Sexworkern und deren Organisationen begründet und ausgerufen wurde. Er erinnert an die Diskriminierung von Prostituierten und deren oftmals ausbeuterische Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Anfang der 1970er setzten französische Strafverfolgungsbehörden Prostituierte in Frankreich zunehmend unter Druck. Die polizeilichen Repressalien zwangen die Frauen, zunehmend im Verborgenen zu arbeiten. Dadurch entfiel deren Schutz durch die Öffentlichkeit und dies führte zu vermehrten Gewalttaten gegen sie. Nach zwei Morden und der fehlenden Bereitschaft der Regierung, die Situation der Prostituierten zu verbessern, besetzten am 02. Juni 1975 etwa 100 Frauen die Kirche Saint-Nizier in Lyon. Sie waren dorthin vor der Polizei geflüchtet. 8 Tage später räumte eine Hundertschaft der Polizei die Kirche auf brutalste Art und Weise. Politische Verantwortliche waren zu keinerlei Gesprächen bereit.

Das Ereignis wird als Ausgangspunkt der Hurenbewegung angesehen. Der Gedenktag wird seit 1976 international jährlich am 2. Juni begangen. In Deutschland wurde erstmals am 2. Juni 1989 zum Internationalen Hurentag von der Kommunikationswissenschaftlerin Laura Méritt aufgerufen.

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