Hoher Bedarf im Frauenhaus

(März 2020)

Hoher Bedarf im Frauenhaus (März 2020)

Maike Schöne, Leiterin des Soester Frauenhauses, berichtet über die Arbeit des Schutzhauses.

Frauen, die im Frauenhaus Zuflucht suchen, brauchen an einem sicheren Ort Schutz vor Männern, die unterdrücken, zuschlagen, sie erniedrigen, einsperren und sozial isolieren. Dennoch überlegen viele Betroffene, ob sie diesen Schritt tatsächlich gehen oder lieber doch nicht. Das ist die Erfahrung von Maike Schöne, seit knapp 6 Monaten Leiterin des Soester Frauenhauses.

Das Frauenhaus Soest verfügt über 19 Plätze für Frauen und ihre Kinder. Konkret heißt dies: für 8 Frauen mit ihren Kindern. Es bietet Frauen und ihren Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, eine geschützte, anonyme Wohnmöglichkeit, Beratung und Begleitung während des Veränderungsprozesses. Im Frauenhaus arbeiten eine Büro- und Hausorganisationskraft, eine Erzieherin und drei Sozialarbeiterinnen in Voll- oder Teilzeit.
Die 34-jährige Diplom-Pädagogin berichtet von 47 Frauen und 88 Kindern, die im vorigen Jahr betreut und fachkundig begleitet wurden, 2018 waren es 44 Frauen und 64 Kinder. Ein Anstieg, der ihrer Meinung nach nachdenklich stimmt, erst recht im Hinblick auf eine weitere Zahl: Der Platz im Haus reiche längst nicht für alle, die anfragen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchten, betont sie: 178 Frauen - das sind 91 mehr als 2018 - mussten abgelehnt werden, wobei es teilweise möglich gewesen sei, in andere Einrichtungen zu vermitteln.

Der Bedarf sei also hoch - auch 30 Jahre nach Eröffnung des Soester Frauenhauses. Es sei bisher nicht gelungen, das gesellschaftliche Ausmaß der Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu reduzieren, erläutert sie. Einmal das 30-Jährige zu begehen und zu erkennen, wie dringend erforderlich und unverzichtbar diese Einrichtung nach wie vor ist, das habe bei der Gründung wohl niemand ins Auge gefasst. Die drei Frauen mit ihren Kindern, die 1990 als erste einzogen, berichteten, dass sie schon seit Monaten auf diesen Augenblick gewartet hatten.

Frauen im Frauenhaus befinden sich in einer akuten Notlage und sind oft traumatisiert. Der überwiegende Teil der Frauenhausbewohnerinnen ist zwischen 26 und 40 Jahre alt und etwa 42% sind deutsche Staatsangehörige. Die Kinder sind überwiegend im Alter von bis zu 5 Jahren. „Manche bleiben wenige Stunden, andere Wochen oder mehrere Monate“, so Maike Schöne.

Jede Frau, die ins Frauenhaus zieht, hat ein ganz individuelles Schicksal. Manche bleiben wenige Stunden, andere bleiben Wochen oder mehrere Monate. Gewalttätige Männer sind zumeist nur ein Teil des Problems. Viele haben Schulden, sind finanziell oder mental abhängig, andere sind bereits traumatisiert. Manche gehen irgendwann zu ihren Männern zurück, andere schaffen es, sich mit Unterstützung der Frauenhaus-Mitarbeiterinnen, manchmal auch mit Hilfe eines Anwaltes, ein neues, unabhängiges Leben aufzubauen. Im ersten Anlauf gelingt das jedoch nicht vielen von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen. Einige kehren drei oder vier Mal zu ihren Männern zurück. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Es gibt kein Schema Eff und bei der Unterstützung keine pauschale Liste, die sich Punkt für Punkt abhaken lässt. Jede Frau bringt ihre eigene, individuelle Geschichte mit - und entscheidet selber, welchen Weg sie künftig gehen möchte. Im Frauenhaus organisieren die Betroffen ihren Alltag selber und müssen sich mit den anderen arrangieren. Sie leben in einer Gemeinschaft auf Zeit mit Frauen von 18 bis über 60. Mütter teilen sich ein Zimmer mit ihren Kindern. Manche Frauen stehen allein, andere haben mehrere Kinder, die sie mitbringen. Voriges Jahr kam während des Aufenthaltes im Frauenhaus ein Baby zur Welt. Der Kinderbereich ist ein wichtiger Schwerpunkt in der Anti-Gewalt-Arbeit im Frauenhaus Soest. Dank der großen Spendenbereitschaft im Kreis Soest konnten mehr als die Hälfte der Renovierungskosten für den Kinderbereich durch Spenden finanziert werden.

Weitere Informationen

Weitere Informationen unter www.frauenhaus-soest.de

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