Unzureichende Identifizierung von Betroffenen von Menschenhandel

(Juli 2021)

Unzureichende Identifizierung von Betroffenen von Menschenhandel (Juli 2021)

„Die Identifizierung Betroffener von Menschenhandel ist die grundlegende Voraussetzung für die Gewährung von Schutz und Unterstützung sowie der ihnen zustehenden Rechte. Die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie haben die ohnehin prekäre Situation vulnerabler Personen zusätzlich verschlechtert und das Risiko in Zwangssituationen ausgebeutet zu werden, erhöht,“ stellt der „Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.“ (KOK) fest. Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. ist dort seit langer Zeit Mitglied mit ihrer Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel, NADESCHDA.

KOK hat zum Welttag gegen Menschenhandel am 30. Juli folgende Pressemitteilung herausgegeben:
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Menschenhandel am 30. Juli macht der KOK auf die unzureichende Identifizierung von Betroffenen von Menschenhandel aufmerksam. Werden Betroffene gravierender Menschenrechtsverletzungen nicht erkannt, bleiben Schutz und Unterstützungsleistungen versagt. In ihrem jüngsten Jahresbericht stellte die Expert*innengruppe des Europarates gegen Menschenhandel (GRETA) deutliche Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf die Bekämpfung des Menschenhandels fest, darunter die Zunahme von Ausbeutung durch Verschlechterungen der Lebensverhältnisse, einen Rückgang der Identifizierung Betroffener und Verzögerungen bei der Durchführung von Gerichtsverfahren zur Verurteilung der Täter*innen. Der KOK sieht diese Trends auch in Deutschland sehr deutlich.
Maßnahmen, mit denen die Pandemie eingedämmt werden soll, erschweren nicht nur die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden, sondern auch den Zugang zu und Unterstützung von Betroffenen durch spezialisierte Fachberatungsstellen. „Nötig wären einerseits verpflichtende Schulungen für erstere und zusätzliche Ressourcen für die Beratungsarbeit, damit auch aufsuchende Arbeit geleistet werden kann“ sagt Barbara Eritt, KOK Vorstandsmitglied und Leiterin der IN VIA Fachberatungsstelle für Frauen*, die von Menschenhandel betroffen sind."

Diese und weitere zentrale Forderungen hat der KOK im Vorfeld der Bundestagswahlen im September in einem 10 Punkte Katalog festgehalten. „Wir erwarten, dass Maßnahmen gegen Menschenhandel einen größeren Stellenwert auf der politischen Agenda in Deutschland einnehmen und nicht nur an internationalen Gedenktagen in den Fokus gerückt werden“ sagt Sophia Wirsching. „Unsere Wahlforderungen geben den künftigen Mitgliedern des Bundestages menschenrechtsbasierte Orientierung“, so Wirsching weiter.

Der Welttag gegen Menschenhandel wurde 2013 von den Vereinen Nationen (UN) beschlossen und am 30. Juli 2014 zum ersten Mal begangen. Der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel – KOK e.V. ist ein Zusammenschluss von 39 Organisationen, welche sich für Betroffene von Menschenhandel und für von Gewalt betroffene Migrantinnen* einsetzen. Der KOK vernetzt die Mehrzahl aller spezialisierten Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel in Deutschland sowie weitere in diesem Bereich tätige NGOs. NADESCHDA ist seit 1997 zuständig für die Region Ostwestfalen-Lippe und hat seinen Sitz in Herford. Weitere Infos unter www.nadeschda-owl.de

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