Rechte Gesinnung und christliche Glaubenssätze sind nicht miteinander vereinbar

(Juni 2022)

Rechte Gesinnung und christliche Glaubenssätze sind nicht miteinander vereinbar (Juni 2022)

„Warum wir uns mit Rechtsextremismus beschäftigen? Weil es unser theologisch-feministisches Selbstverständnis ist”, sagt Birgit Reiche. Leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen (EFHiW).
Es sei wichtig, sich mit aktuellen Formen von Rechtsextremismus und Ungleichwertigkeits-Ideologien zu befassen, ebenso sei es wichtig, den Blick auch auf die Vergangenheit zu richten und die Rolle sowie der eigenen Strukturen in der NS-Zeit aufzuarbeiten. Die EFHiW hat daher 2006 die eigene Geschichte im Nationalsozialismus aufarbeiten lassen.

Mit theologisch-feministischem Selbstverständnis

Unter dem Motto „Mehr als Sie denken“ beschäftigt sich die EFHiW schon sehr lange und in vielfältiger Art und Weise mit den Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF). Und sie weiß um die Verpflichtung, in diesem Bemühen nicht nachzulassen. Dies tut der Frauenverband basierend auf seinem Selbstverständnis. „Kirche ist immer eingebunden in die Gesellschaft“, weiß die Leitende Pfarrerin.
Die EFHiW will zu einer Gesellschaft beitragen, in der eine demokratische Kultur, der Schutz der Würde aller Menschen und die Gewährung von Menschenrechten für alle Menschen – und besonders für Frauen – selbstverständlich sind. Die ‚Parteilichkeit für Frauen‘, der Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit‘ und die ‚Arbeit gegen jede Form von Gewalt‘ sind in allen Arbeitsfeldern der EFHiW Querschnittsthemen.

Unvereinbarkeit von Ungleichwertigkeit und christlich

„Rechte Gesinnung und christliche Glaubenssätze sind nicht miteinander vereinbar“, so Reiche. Daher arbeitet die EFHiW nicht nur in der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R) mit, sondern setzt sich vielfältig gegen Rechtsextremismus und Ungleichwertigkeits-Ideologien ein. Beispiele dafür sind etwa Positionierungen und Stellungnahmen zu rassistischen Gewalttaten und Vorfällen, Aktionen im breiten Bündnis von United4Rescue oder Unterschriftensammlungen z.B. zur Forderung der Streichung des Wortes ‚Rasse‘ aus Artikel 3 im Grundgesetz.
Der Verband weist intern und extern auf Demonstrationen gegen rechtsextreme Parteien und Bürgerinitiativen hin. Darüber hinaus ruft die EFHiW zur Teilnahme an Wahlen auf. Es gehe dabei nicht nur um die Inanspruchnahme des aktiven Wahlrechtes. Der Frauenverband motiviert und unterstützt auch insbesondere Frauen, für politische Ämter und Funktionen in Gremien zu kandidieren und macht sich für Parität auf allen Ebenen stark.

Verantwortung als Trägerin

Pfarrerin Birgit Reiche sieht auch bei der Übernahme von Trägerschaften eine besondere Verantwortung. Das bedeute auch die Übernahme von Verantwortung für Mitarbeitende und Anvertraute und dort Bewusstsein zu bilden und zu sensibilisieren für GMF.
„Wer sich mit Misogynie, Sexismus und Antifeminismus auseinandersetzt oder davon betroffen ist, wird schnell feststellen, wie sehr diese Themen ideologiebestimmend innerhalb der extremen Rechten sind“, verdeutlicht Christina Vetter, Verbands- und Bildungsreferentin der EFHiW die Auseinandersetzung mit diesen Bereichen.

Bildungsarbeit gegen rechts - in jedem Alter

„Ein nicht unerheblicher Anteil der Kirchenmitglieder teilt leider menschfeindliche Einstellungen oder hegt Sympathien für extrem rechte Parteien. Sensibilisierung für und Positionierung gegen rechte und rassistische Einstellungen muss daher nicht nur nach außen, sondern auch nach innen mit Blick auf die eigenen Strukturen geschehen“, stellt Birgit Reiche klar. So setzt die EFHiW einen besonderen Schwerpunkt auf die Informations- und Bildungsarbeit in Gemeindegruppen, auf Kirchenkreisebene, in ihren Einrichtungen und in der Erwachsenenbildung. Bearbeitet wird dies nicht nur im Seminar-Setting, sondern beispielsweise auch bei Frauen-Begegnungsreisen rund um die Welt, wo kultursensible und interreligiöse Aspekte von Bedeutung sind.

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