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Antje Lütkemeier: Buchara - Stadt der Versuchungen

Nach den Anstrengungen des gestrigen Tages fing der Tag heute "unbedingt gemutlicher" (O-Ton) an. Ausgiebiges Frühstück und Abfahrt um 10 Uhr zu dem Mausoleum von Ismail Semani aus dem 9. Jhd., beeindruckend durch seine Schlichtheit aus runden und quadratischen Ziegelelementen. Danach ging es zu unserem Stadtrundgang durch die Altstadt von Buchara: Versuchungen lauerten an allen Ecken. Neben den großartigen Perspektiven und Einblicken, denen die Fotografinnen erlagen, lockten überall farbenprächtige Tücher, Taschen, Keramik, etc, Versuchungen, denen die Shopperinnen nicht widerstehen konnten.

Aber zunächst wurde unsere Aufmerksamkeit auf ein weiteres Mausoleum, diesmal aus dem 12. Jahrhundert gelenkt. Eine heilige Quelle inklusive. Nächster Punkt des Interesses war die Zitadelle, Sitz der Emire von Buchara. Weiter ging der Stadtrundgarng zu einem Komplex von Medresse, Moschee und Minarett. Das Minarett zwang den großen Dschingis Khan, seine Kopfbedeckung abzunehmen (er schaute daran hoch, die Mütze fiel vom Kopf), die Moschee nötigte der Gruppe echtes Staunen ab. Die Vielzahl der Säulen und ein wunderbarer Koranrezitator entführten in eine andere Welt. Die Mittagspause fand in der Cafeteria einer Schwäbin statt, mit deutschem Kuchen und Kartoffelwaffeln. Dann war es endlich soweit: die Gruppe stürzte sich in die Einkaufswonnen der Marktkuppelbauten. Mit letzten Kräften schauten wir dann noch die Attraktionen des Lyabihauz-Komplexes. Zum Beispiel auch das Denkmal des Nasreddin Afandi, orientalischer Till Eulenspiegel.  Zum Beispiel lernte Nasreddin einmal Arabisch in einer Medresse. Eines Tages wollte der Lehrer ihn prüfen und fragte: "Wie heißt Kalb auf Arabisch?? Nasreddin wusste es nicht, antwortete aber: "Mein Lehrer, die Araber warten, bis das Kalb erwachsen ist. Dann nennen sie es KUH."

Wir hingegen gingen in die Synagoge und lernten viel über die Heiligkeit des bucharischen Judentums. Der Rabbi zeichnete sich unter anderem aus durch ein unerschütterliches Selbstbewusstsein.

Danach erlebten wir eine sehr positive Überraschung beim angekündigten Plov-Kochen. Wir mussten nicht wirklich für unser Essen arbeiten, lernten aber viel über die Geheimnisse des usbekischen Nationalgerichts. Außerdem nahmen wir das Essen im Ausstellungsraum eines Miniaturenmalers ein, der auch noch in die Philosophie des usbekischen Sufismus einführte. Ärmer an Som, aber reicher an schönen Einkäufen, Eindrücken, Erfahrungen und Ideen kehrte die Gruppe ins Hotel zurück - müde aber neugierig auf den morgigen Tag.