Letzter Tag 01.04.2025

Liebe Frauen und Angehörige, hier meldet sich Soest.  Leider ist die Internetverbindung nicht stark genug, dass die Reiseleitung Antje Lütkemeier sich wie gewohnt mit ihrem Input meldet.  Stattdessen ist es Soest mit meiner Wenigkeit - Manuela Schunk.

Allen geht es gut und sie sind auf einem guten und problemlosen Flug nach einem vielfältigen, spannenden und interessanten Reiseverlauf.

Antje Lütkemeier schrieb vor dem Boarding:

Heute war noch mal ein guter Tag. Wir hatten ein Treffen im Taiwan women's Center.  Einer Stiftung für Frauenrechte  etc.
Da waren sogar die Frauen vom YWCA nochmal,  die uns verabschieden wollten.  Danach fuhren wir in ein kleines Freilichtmuseum, ein traditionelles taiwanesischen Herrenhaus. Es war anscheinend gerade das richtige weil glückverheissende Datum für Hochzeitsfotos. Gleich 4 Paare ließen sich von ihren Fotografen in die richtige Fotoposition bringen.  Auch einen kleinen Besuch im daoistischen Longshan Tempel konnten wir noch schaffen.  Dann ging es zum Flughafen.  

Wege zwischen Himmel und Erde 31.03.2025

Liebes Reisetagebuch,

der letzte komplette Tag in Taiwan brach an und ein Regenbogen verabschiedete uns aus Hualien. Auf der Suao -Hualien-Straße ging es an der Ostküste entlang und manchmal konnte schon der Eindruck entstehen, wir bewegen uns irgendwo zwischen Himmel und Erde. Auf der linken Seite des Weges erheben sich steile Berge, auf der rechten Seite fälllt das Terrain steilins Meer ab. Wir waren einmal mehr dankbar für Herrn Yje, den besonnenen und souveränen Busfahrer. Die Aussichtsparkplätze entlang der Strecke waren allesamt noch im Bau nach der Zerstörung durch das Erdbeben imvergangenen Jahr. So fand der erste Stopp an einem kleinen Geschäftszentrum in einem Beton-Dorf statt. Der Ort lebt von der Beton-Produktion. So ist auch alles mögliche aus diesem Baustoff gefertigt, auch die Waschbecken der Toilettenanlage. Nach Kaffee und einigen Shopping-Aktivitäten ging es weiter zur Hafenstadt Suao. Der Rundgang hier ließ an der Seetüchtigkeit so einiger der Schiffe zweifeln, erkundete einen weiteren Mazu-Tempel und zeigte kulinarische Herausforderungen wie z.B Handtellergroße Fischaugen. Der nächste Halt regte mehr zum Probieren an. Eine ganz offensichtlich  auch bei einheimischen Menschen beliebte Bäckerei für Kekse und Kuchen hielt großzügig Kostproben bereit. Abzulehnen wäre sicherlich unhöflich gewesen und wir bemühen und doch, Kultur-sensibel zu reisen. Also futterten wir uns durch das Angebot.

Durch langgestreckte Tunnels erreichten wir Taipeh im Regen. Nach einer Ruhepause im Hotel fuhren wir zum Abschieds-Dinner im noblen Grand Hotel. Früher ausschließlich Staatsgästen vorbehalten, dürfen sich mittlerweile auch andere Gäste und Touristinnen  am exzellenten Buffet bedienen. Ein weiterer kulinarischer Höhepunkt der Reise. Satt und fröhlich konnte unsnicht einmal der stärker werdende Regen stören. Und morgen heißt es Koffer packen und Abschied nehmen vom gastfreundlichen und interessanten Taiwan. 

 

Besuch in einer Oase des Friedens 30.03.2025

Der Sonntag war in erster Linie dem Besuch des Jing Si Klosters und der Tzu Chi Stiftung in Hualien gewidmet. Aufs freundlichste wurde die Gruppe von jedermann und jederfrau auf dem Gelände des Zentrums begrüßt. Die Nonne Dharma Master Huan, gebürtig aus Malaysia, gab einen kurzen, aber intensiven Überblick über Leben und Werk der Gründerin des Ordens und der Stiftung. Schon als junge Frau zog Dharma Master Cheng Yen Ende der 1960er Jahre an die Ostküste Taiwans. Ihr Orden begann mit 5 Schülerinnen, die Stiftung mit 30 Hausfrauen, die täglich zwei Cent ihres Haushaltsgeldes spendeten. Daraus wurde eine monastische Gemeinschaft von über 200 Nonnen die in Hualien leben und eine weltweite Organisation mit Hilfsstrukturen in über 50 Ländern. Den Grundwerten Wohltätigkeit, Bildung, Medizin und humanistische Kultur verpflichtet, akzeptieren die buddhistischen Nonnen keine Spenden, sondern arbeiten für ihren Lebensunterhalt. Eine  Porzellanmanufaktur, eine Kerzenfabrik, Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion gehören dem Kloster und werden von den ihnen bewirtschaftet. Angestellte kümmern sich um das Management der Stiftung, um Krankenhäuser in ganz Taiwan und Schulen weltweit. Dazu kommen noch tausende von Ehrenamtlichen in vielen Ländern, die bei Katastrophen schnell einsetzbar sind. Die Gruppe war schlichtweg beeindruckt von Reduziertheit der Gebäude und von der Herzlichkeit und Professionalität  der Menschen, die uns begegneten. Das Mittagessen für wahrscheinlich 500 Menschen war einfach, ausgewogen und schmackhaft. Reich beschenkt durch kleine Gabentüten (wie sollte es anders sein), aber vor allem durch die Erfahrung im Kloster machten wir uns auf den Weg in die Taroko Schlucht. Hier wartete das Besucherzentrum mit einem kurzweiligen und interessanten Film über die Schlucht als natürliche Arche von Flora und Fauna auf. Die Schlucht hatte es allerdings schwer, bei uns zu punkten. Einmal weil wegen des Erdbebens im vergangenen Jahr immer noch viel abgesperrt ist und wir kaum weiter kamen als drei Schritte vom Parkplatz. Wahrscheinlich aber eher, weil alle angefüllt und erschöpft von den Eindrücken im Kloster waren. 

Zurück im Hotel stand ein kleiner Gedankenaustausch an und eine kurze Ruhepause. Danach ging es zum  Essen, wohin auch sonst. Schon wieder eine völlig neue Geschmackserfahrung einer ostasiatischen Fusion-Küche. Taiwan ist auch kulinarisch eine Reise wert. Und warum sollten nur die Koffer, nicht auch deren Besitzerinnen schwerer werden?!

Morgen beginnt dann unser letzter kompletter Tag auf der so vielfältigen und spannenden Insel.  

 

Im Osten viel Neues 29.03.2025

Vorweg eine Info zur Beruhigung aller Daheimgebliebenen: Von dem schrecklichen Erdbeben in Myanmar und Thailand haben wir hier nichts gespürt, sondern nur aus der Presse erfahren.

Die Ostküste entlang setzten wir unsere Taiwan-Umrundung in nördlicher Richtung fort. Zwischen Wolkenverhangenen Bergen zu unserer Linken und aufgewühltem Pazifik zu unserer Rechten schlängelte sich die Straße. Ein erster Halt bescherte uns atemberaubende Aussichten auf die die Küstenlinie. Die ein oder andere Reisende nutzte die Gelegenheit, um die Teilnehmer*innen eines Triathlon anzufeuern, die gerade ihre Radstrecke absolvierten. Einige Triathlet*innen bedankten sich im Vorbeifahren. Den größten Spaß an uns hatte allerdings ganz offensichtlich der Streckenposten.

Nächste Station war die Folklore-Vorführung der indigenen Amis. Die Amis sind mit ca. 210.000 die größte Gruppe der Ureinwohner Taiwans. Traditionell lebten sie von Fischfang und Landwirtschaft, mittlerweile arbeiten viele in der Tiefseefischerei oder in technischen und anderen Berufen in den großen Städten der Insel. Die Amis sind einer der wenigen matrilinearen Bevölkerungsgruppen Taiwans. Seit allerdings die Amis in den 1960er Jahren mehr Kontakt zur Außenwelt hatten, waren auch hier die guten Sitten ruiniert. So stand auf der Folklore-Bühne ein Mann im Mittelpunkt.  Zum größten Vergnügen  der anwesenden taiwanesischen Touristen plauderte  er  in bester Entertainer-Manier. Die deutschen Frauen konnten nur vermuten, dass die Unterhaltung großartig war. Die chinesisch-sprachigen Zuhörer*innen waren nämlich geradezu hingerissen und hingen gebannt an seinen Lippen. Von Zeit zu Zeit betraten weitere Menschen die Bühne, musizierten auf  Bambus-Instrumenten und sangen.  Die musikalische Darbietung war schön, die größere Attraktion allerdings waren die Reaktionen der Zuschauer*nnen auf Alleinunterhalter und Band.

 Ein weiterer Stopp führte zur achtbogigen Brücke, die sich wie ein See-Drache zur Insel Sanxiantai erstreckt. Auf der Insel sollen in grauer Vorzeit drei von acht chinesichen Heiligen oder Unsterblichen gestrandet sein. Von ihnen war nichts mehr zu entdecken; für einen lngeren Aufenthalt ist die Insel selbst für Heilige zu klein. Dafür aber gab es jede Menge wunderschöner Steine, viele unbekannte Pflanzen und großartige Ausblicke.

Unser nächster Punkt des Tagesprogramms wartete schon auf uns. Eine Frau stellte uns in Hualien die beeindruckende Arbeit der mennonitischen Good Shepherd Gemeinde und Organisation vor. Seit den 1970er und 80er Jahren arbeiten sie besonders mit indigenen Frauen und Mädchen.  Arbeit mit Opfernvon Menschenhandel, Unterstützung für gefährdete Mädchen und Frauen, Berufsbildung und noch viel mehr gehört zu den Aktivitäten. Einige Produkte der Nähwerkstatt wurden gerne geshoppt. Natürlich nur, um die gute Arbeit zu unterstützen. 

Der offizielle Tag endete mit einem Abendessen im Hotel. Staunenswert, auf wie viele unterschiedliche Weisen Suppe, Schweinshaxe, Fisch und Reis zubereitet werden kann. Es bleibt spannend.   

 

Sorgen und Staub abschütteln ist schwer 28.03.2025

Der Tag begann mit einem sehr eindrücklichen Besuch bei der "Garden of Hope" Stiftung. Die landesweite Organisation kümmert sich um Überlebende von häuslicher Gewalt, von Menschenhandel und von sexuellen Übergriffen. Außerdem bieten sie Präventionskurse, sind Trägerin von Häusern fürFrauen und Mädchen, machen Berufsbildung und noch einiges mehr. Eines der Projekte, ein kleiner  Laden für Secondhand-Kleidung und Upcycling konnten wir im Anschluss besuchen. Auch wenn die Gesetze für Gleichberechtigung und zum Schutz von Frauen vorbildlich sind, ist doch die Umsetzung häufig schwierig. Wir waren auf jeden Fall beeindruckt von der Energie und Professionalität der Vertreterinnen der Stiftung, die wirklich Hoffnung verbreitet. Einen kleinen informativen Ausflug in die Geschichte der taiwanesischen Plastik-Produktion nahmen wir gerne mit. Besonders, wo doch der Gründer und Präsident der Firma ein Mann mit  einem großen Herz für karitative Arbeit gewesen ist.   

Anschließend  machten wir uns auf den Weg in den Osten der Insel. Die Farm eines Ananas-Bio-Bauern war in jedem Fall einen Abstecher wert.  Zunächst wurden wir mit frischen Ananas bewirtet, das befriedigte den mittäglichen Appetit. Ein kleiner Image-Film über die Arbeit der Farm löschte den Wissensdurst. Auf dem Rundgang über das Gelände begegneten wir einigen schon bekannten  Pflanzen und lernten umsomehr neue  kennen. Ein unerwartetes Erlebnis war die Passionsfrucht-Anpflanzung zum selbsternten.

Danach überquerten wir die zentrale Gebirgskette (glücklicherweise sehr bequem im vom Fahrer souverän gesteuerten Bus). Nachdem es auf der Farm sicher noch über 30  Grad Celsius gewesen waren, stiegen wir bei einem kleinen Halt in deutlich kühlere Temperaturen aus.  Die pazifische Küste Taiwans präsentierte sich  wolkenverhangen und mit streckenweise leichtem Regen.  Unser Hotel für diese Nacht entschädigte allerdings durch ein großartiges Abendessen und ein interessantes Abendprogramm. Die Klugen badeten in den heißen Quellen. In 38 oder sogar 42 Grad heißem Wasser ließ es sich trefflich Sorgen und Staub abschütteln. Das Resultat war komplette Tiefenentspannung. Die Mutigen nahmen am Bastel-Programm des Hotels teil. Und der Rest träumt schon dem morgigen Tag entgegen. 

 

Der Buddha war ganz anders 27.03.2025

Buddhas Berg des Lichts war unser erstes Ziel des Tages. Nach einer Stunde Busfahrt erreichten wir den beeindruckend großen Komplex des FoGuang Shan Klosters und Museums. Ein Ehrenwerter Mönch aus dem Burgenland begrüßte die Gruppe, führte uns durch die Klosteranlage, erklärte das eine und andere über  Buddhismus, chinesische Volksreligion, Flora und Fauna des Klosters und Taiwans oder auch Südafrikas. Außerdem tat er sein möglichstes, die Besucherinnen durch seinen Charme zu becircen. Buddhas Berg des Lichts war in der Tat ein Berg, die vielen Stufen und Anstiege verlangten schon einiges an Disziplin und Durchhaltevermögen. Vor allem,  weil auch viel Licht im Spiel war - die Sonne brannte heiß.  Erst 1967 von Hsing Yun, einem gelehrten Mönch gegründet, ist das Kloster mittlerweile das größte in Taiwan.  Der Orden ist Zentrum eines weltweiten Netzwerks von Klöstern,  Schulen, Kliniken und Kulturzentren. Was allerdings die Charakteristika des humanistischen Buddhismus sind, dem der Orden verpflichtet ist,  konnten unsere Fragen nicht aus unserem Ehrenwerten Klosterführer herauskitzeln. Wir haben verstanden: Buddha ist ganz anders.

Anschließend besuchten wir das zum Komplex gehörige Buddha Museum. Einigen gelang es sogar, vor der Mittagsmeditation einen kurzen Blick auf den größten Schatz des Museums zu werfen, die Zahnreliquie des Buddha. Nach der Mittagspause machten wir uns auf den Weg nach Süden, zum Lotus-See in der Stadt Kaohsiung.  Ein kleiner Spaziergang am Seeufer entlang brachte uns zu den frisch renovierten Drachen- und Tiger-Pagoden (leider hatten sowohl Drache wie auch Tiger ihre Mäuler verschlossen und verwehrten uns den Eintritt). Frühlings- und Herbst- Pavillon und zwei Tempel   luden hingegen zum Besuch ein. Einige Mutige durchschritten sogar die Dracheninnereien am Seeufer.

Eine kurze Fahrt brachte uns zum Hotel. Nach dem vorzüglichen Abendessen ließen einige Frauen den Abend bei einem Bummel am Liebesfluss ausklingen. Wie kommt der Fluss zu seinem poetischen Namen?  Ein lauschiger Park am Ufer? Ein zerbrochenes Geschäftsschild? Ein suizidales Liebespaar? Eine Etymologie ist wahrscheinlich so gut wie die andere. Und morgen geht es über die Berge in östlicher Richtung.

 

Frauen- von unsichtbar bis Macherinnen 26.03.2025

Der erste Programmpunkt an diesem Mittwoch war das Ringen um das Frühstück. 150 chinesische Jugendliche hatten hier die  deutlich besseren Startbedingungen. Aber letztlich musste niemand hungrig in den Tag gehen. Im Wen-Wu-Tempel war es deutlich ruhiger. Hier konnten wir gemächlich die nach einem Erdbeben 1999 neu errichtete Anlage erkunden, buddhistische  und Daoistische Gottheiten kennenlernen und Meister Konfuzius unsere Hochachtung erweisen. Frauen waren im hier vertretenen Pantheon deutlich in der Minderzahl, wenn nicht gar komplett unsichtbar. Nicht nur deshalb fuhren wir weiter Richtung Süden.

Beim nächsten Halt trafen wir auf eine ältere Dame, die mit Sohn und Schwiegertochter Ananas frisch vom Feld anbot, dazu verschiedene Ananas-Produkte. In Summe haben wir wahrscheinlich das halbe Feld aufgefuttert. So köstlich wie diese Früchte sind Ananas allerdings auch sehr selten. Und die Bäuerin hatte ihre Freude an unserer Begeisterung.

Nächster außerplanmäßiger Halt war das Hinoki-Dorf. Eine alte Waldarbeiter-Siedlung aus der Zeit der japanischen Besatzung hat sich seit 10 Jahren gemausert zu einem Areal mit kleinen Cafés, Restaurants und Geschäften für Kunsthandwerk, Geschenke und Überflüssiges. So war für jede etwas dabei und die Mittagspause entspannt.

Nachmittags trafen wir Vertreterinnen (und einen Vertreter!) der Frauenrechtsorganisation Tainan. Starke, aktive Frauen, mit denen wir sehr schnell auf einer Erfahrungsebene waren. Mangelnde Frauenrechte und Gewalt gegen Frauen sind offensichtlich leider weltumspannend. Mit beeindruckenden, und manchmal skurril anmutenden, Projekten arbeitet die Organisation dafür, Frauen Selbstvertrauen und Würde zu vermitteln. 

Auch ungeplant und im Hui versuchten wir, den Sonnenuntergang bei der Statue der Meeresgöttin Mazu zu erwischen. Die Sonne war weg, die Göttin noch da - immerhin. Danach gab es allerdings viele Lichter. Alle waren rot. Es schien, als wollten sämtliche Ampeln Tainans unser Abendessen verhindern. Mit deutlicher Verspätung wurden uns dennoch köstliche Speisen serviert. Und die Hotelbetten waren auch nicht weit.

Alltagstauglich in Taiwan 25.03.2025

Der sechste Reisetag begann mit der Fahrt aus Taipeh in südlicher Richtung. Vorbei an Wohnblöcken, Fabriken, Industrieanlagen wurde es bald ländlicher und noch grüner. Nach einer guten Stunde Busfahrt legten wir einen kurzen Stopp zu Studienzwecken an einem Autobahn-Rasthof ein. Die Toiletten waren Hauptattraktion und das zurecht. Nicht nur waren sie in mehr als ausreichender Zahl vorhanden, kostenfrei und sauber, in der Wintersaison sind hier sogar die WC-Brillen mollig warm weil beheizt. Sehr Service-orientiert! Vorbei an Reisfelder und Gemüse-Anbau erreichten wir nach kurzer Fahrt die Teeplantage, die schon auf unsere Arbeitskraft gesetzt hatte. Die Gruppe wurde mit geeistem Tee versorgt und bekam eine kurze Einführung über den Standort. Ausgestattet mit Ärmelschonern, Bambus-Hüten mit passenden Kopftüchern in farbenprächtigem Blütendesign und Pflückkörben ging es in die Teeplantage. Nur die obersten zwei Blättchen der Teepflanzen sollten von jeder Frau eigenhändig gepflückt werden. Eine besondere Erfahrung, die noch niemand selbst von den weitgereisten Teilnehmerinnen vorweisen konnte. Nach einer halben Stunde wurde die Arbeit beendet. Das einhellige Fazit: von dem Resultat könnte keine von uns überleben. Auch die übrigen Schritte der Tee-Verarbeitung konnten wir erleben oder sogar selbst in die Hand nehmen: rösten, rollen, trocknen und verpacken. Am Ende der kurzweiligen Aktion hatte jede Frau ihren eigenen Grüntee in Händen, individuell mit mehr oder weniger phantasievollem Produkt-Namen versehen. Ein traditionelles Mittagessen der Hakka-Volksgruppe vervollständigte die Erfahrung. Sicherheitshalber wurde von Profis geernteter, verarbeiteter und verpackter Tee zusätzlich erworben. Vielleicht hatte die Teeplantage doch klugerweise eher auf unsere Kauf-, denn unsere Arbeitskraft gesetzt.

Weiter ging es in die Berge zum Sonne-Mond-See. Die Vegetation änderte sich, jetzt säumten Betelnuss-Palmen, verschiedenste Bäume, Büsche und Farne den Straßenrand. Am späten Nachmittag genossen wir bei lauer Luft und weichem Licht der untergehenden Sonne eine Bootsfahrt auf dem See. Bei einem Stopp erreichten wir nach kurzem Aufstieg den Xuan Zang Tempel. Der kleine Bau ist dem Mönch, Gelehrten und Übersetzer wichtiger buddhistischer Schriften gewidmet. Im 7. Jahrhundert wanderte er durch Indien und brachte Lehrtexte mit in seine chinesische Heimat. Nach einer kleinen Odyssee über Japan fanden seine Reliquien am Sonne-Mond-See eine Stätte der Ruhe und Verehrung.  Auf der Bootsfahrt zurück zum Heimathafen meditierten wir etwas über die unterschiedlichsten, manchmal erstaunlichen Formen von Verehrung. Angeregt nicht zuletzt auch durch eine weithin sichtbare Statue der Mutti von ChiangKai-Shek.

Ein kleines Gruppenfoto mit dem Kapitän des Schiffchens beendete den offiziellen Tag. Zumindest bei diesem Punkt fügen wir uns schon sehr geschmeidig in die hiesigen Gebräuche ein. Das Teepflücken hingegen würden wir wohl noch trainieren müssen.     

 

Endlich richtige Touristinnen 24.03.2025

Der heutige Montag stand ganz im Zeichen des wahrhaftigen Tourismus. Alle fahren zum Yehliu Geopark. Und wir auch. Aber warum eigentlich alle auf einmal? Na egal. Nach anderthalb Stunden Busfahrt mischten wir uns unter die gefühlt zehntausend Touristen, vornehmlich aus dem asiatischen Raum, um die bizarren Kalksandstein-Formationen zu bestaunen.  Und merkten sofort: Staunen hat hier völlig andere Ausdrucksformen, als die bei uns üblichen. Ein anständiger Tourist wartet hier geduldig in einer langen Schlange, um mit der Hauptattraktion, dem Queen's Head, für ein Foto zu posieren. Also schauten auch wir uns die steinernen Morcheln, Schildkröten, Drachenköpfe und Feenschuhe an, immer mit dem Filter der Instagrammabilität im Hinterkopf. Oder aber wir genossen es, sowohl die Felsen, wie auch unsere Mitmenschen mit großem Interesse zu betrachten. Außerdem gab es noch einen Hügel mit wunderbarer Vegtation und vielen Schmetterlingen zu entdecken. Und all das ist Gottes wunderbare Schöpfung. Gott hat offensichtlich viel kreativen Humor.

Nächster Punkt des Programms für uns und alle anderen war die alte Goldgräberstadt Jiufen. Nachdem das Edelmetall versiegt war, sattelten die Goldgräber auf den Verkauf von Souvenirs, Kunsthandwerk und Nahrungsmittel um. Wahrscheinlich, weil das lukrativer ist, wenn auch nicht weniger anstrengend als die Arbeit in den Minen. Nachdem alle Trockenfrüchte gekostet waren, die Bubble Teas verschmäht, die Mitbringsel gekauft und viel kleine Tees getrunken, kletterten wir die 248 Stufen wieder hinunter und bestiegen unseren Bus. Denn es gab ja noch eine  weitere Attraktion zu absolvieren. 

Die Shifen Old Street wartete mit ihren Himmelslaternen auf uns - und den Rest der Foto-Hungrigen Touristen. Wir beschrifteten die großen Himmelslaternen mit unseren sehnlichsten Wünschen und schickten sie gen Himmel. Natürlich war das nicht so einfach, wie es sich hier liest. Das Ritual des Laternen-in-den-Himmel-Entlassens wurde von einem Mitarbeiter des Himmeslaternen-Fachgeschäfts choreographiert und  leichzeitg Foto-dokumentiert. Heidi Klum (GNTM) hätte ihre wahre Freude an dem Mann gehabt. Er schaffte es, selbst die zurückhaltenste deutsche Touristin zu erstaunlichen Posen mit Himmelslaterne zu motivieren. Und spaßig war es nebenher auch noch. Und wir waren dabei!

Das Abendessen heute war ein chinesisches Hochzeitsmahl. Brautpaar und Gäste fehlten, aber alle traditiionellen Speisen standen auf dem Tisch. Von Hühnersuppe mit komplettem Tier in der Suppenschüssel, über Schweinshaxe bis zu glückverheißendem Fisch war alles dabei. Beim anschließenden Ausflug auf den Shilin-Nachtmarkt konnten wir dann leider keine der angebotenen Speisen mehr kosten, aber  der Eindruck des bunten Treibens in den Gassen reichte vollständig. Morgen werden wir Taipeh dann erst mal verlassen, um die Reise in südicher Richtung fortzusetzen.  

 

Von spirituell bis kulinarisch - ein Tag voller Erlebnisse 23.03.2025

Der Sonntag startete mit einem Gottesdienst in einer charismatischen Gemeinde in Taipeh. Eine Live-Band wechselte sich mit Gebeten und einer Bibellesung ab. Auch die 40minütige Predigt wurde von Musik gerahmt und an den entscheidenden Stellen untermalt. Die Gruppe bedankte sich bei der freundlichen internationalen Gemeinde mit einer Liedstrophe. Und erntete dafür jubelnden Applaus. Ob der Qualität? Ob der Kürze und Prägnanz? Wir können nur Vermutungen anstellen.

Das nächste Erlebnis des Tages war eine Tofu-Herstellung im Dorf Shenkeng, einem Dorf vor den Toren Taipehs. An drei Tischen war alles nötige vorbereitet, um eigenen Tofu herzustellen. Mit großer Akribie und später mit vollem Körpereinsatz (mangels Hydraulikpresse) bereiteten wir aus Sojamilch den ersten Tofu unseres Lebens zu. Durchaus mit Erfolg, wie die anschließende Verkostung ergab. Ein großer Spaß!

Dann wurde es wieder ernst. Ein Fotostopp am Präsidentenpalast und dem Denkmal für die Opfer des Weißen Terrors, sowie der Besuch der Chiang Kai-Shek  Gedächtnishalle brachte die Geschichte und die aktuelle Politik ins Gespräch. Wie vieles im Leben ist auch die Sicht auf verdiente Politiker aka Diktatoren nicht allgemein akzeptiert und immer einhellig.

War die Entspannung danach nicht redlich verdient? Obwohl - ist Shoppen bzw. die intensive Recherche des lokalen Warenangebots in der Di-Hua-Straße nicht eigentlich auch harte Arbeit? Die einen bummelten und genossen das quirlige  Leben, die anderen unterstützten die heimische Geschäftswelt. Wer danach allerdings auf ein entspanntes Abendessen gesetzt hatte, wurde eines besseren belehrt. Das Hot-Pot-Buffet-Restaurant überforderte die gemeine westliche Touristin durch Überangbot und Fremdartigkeit der angeboteten Speisen. Und diese mussten auch alle noch im je eigenen Kochtopf (in der Tischplatte eingelassen) gegart werden. Eine Herausforderung sowohl für die Entscheidungsfähigkeit wie für die Esstechnik. Schließlich waren alle satt, und glücklich, nach einem langen, erlebnisreichen Tag das vertraute Hotel-Bett aufsuchen zu können. Und morgen präsentiert sich die Ilha Formosa, die "Schöne Insel" wieder von einer ganz anderen Seite.  

 

Die Kunst des Gruppenfotos 22.03.2025

Die Nacht war mehr oder weniger lang. Für die meisten inneren Uhren gelten aber offenbar noch deutsche Zeiten und so war der Schlaf dann kurz - aber schön!

Ansonsten sind wir heute so richtig in Taiwan angekommen. Das begann schon beim Frühstück: einige Mutige hatten Brot, Marmelade, Käse, Wurst und Ei längst als langweilig,weil bekannt, abgetan. Dafür gab es dann allerlei Gedämpftes, Gebratenes und Gesottenes. In süß, in herzhaft, in jeglicher Kombination dessen und mit allerlei Zutaten. So gestärkt bestaunten wir den Wachwechsel am Nationalen Märtyrerschrein. Wir sahen eine sehr ernsthafte Zeremonie, perfekt choreographiert. Auf der kurzen Fahrt dorthin hatte uns Joanne in einem Hui die Jahrhunderte der chinesischen Geschichte nahe gebracht. Epochen, Namen und Ereignisse wirbelten durch die Köpfe der Reisenden. Noch Fragen? Sympathisch am Märtyrerschrein ist auf jeden Fall, dass hier auch der Zivilpersonen gedacht wird, die im Ringen für Nation und Demokratie ihre Leben gelassen haben.

Da dann gerade der Park mit der ehemaligen Residenz von Chiang Kai-shek am Wegesrand lag, legten wir einen Stopp ein und machten einen kleinen Spaziergang durch den Park. Natürlich nicht ohne ein Gruppenfoto am Parkeingang. Wir wüssten doch sonst gar nicht, dass wir hier sind. Oder später nicht mehr, dass wir hier waren? Oder dass wir nicht allein auf der Welt sind, sondern gemeinschaftlich als Gruppe reisen? Oder? Egal, Hauptsache Foto!

Das Nationale Palastmuseum brachte durch Größe und Qualität der Ausstellung zum Staunen. Joanne zeigte uns auf drei Etagen und in ungezählten Abteilungen die "masterpieces", ihre Lieblingstücke und noch allerlei anderes Schönes und Kurioses, weil es gerade zu sehen war in den Vitrinen, an denen wir vorbeihuschten.  Ist eigentlich Museums-Jogging schon als eigene Sportart anerkannt?

Die Mittagspause legten wir kurzerhand mit der Fahrt zu einem Zentrum des YWCA zusammen. Creme-Törtchen  können hier übrigens auch mit einer süßen Masse aus roten Bohnen gefüllt sein. Interessant!

Die Frauen des YWCA empfingen uns sehr herzlich und berichteten über die verschiedenen Arbeitsgebiete des Verbands an 19 Standorten in ganz Taiwan.  Sehr beeindruckend. Viel zu kurz geriet der anschließende Austausch. Allerdings, die Zeit muss sein, nichts geht ohne - ein Gruppenfoto. Diesmal angereichert  durch verschieden Schilder zum Hochhalten und Pappmachee-Statements. Alternativ auch Insta-taugliche Gesten. Das muss frau einfach mal mitgemacht haben, beschreiben kann ich das nicht annähernd.

Die Gruppe ist flink und effizient, so schafften wir es rechtzeitig zum Sonnenuntergang, die Aussichtsplattform des Tapei 101 besucht zu haben. Powerwalking  im 89. Stockwerk mit gleichzeitigem fotographieren der 360 Grad Aussicht wird sicher bald olympisch. Wir sind dabei!

Trotz echter Disziplin und eifrigster Anstrengung waren wir nicht rechtzeitig  am angesagtesten Teigtaschen-Restaurant der Stadt. Das musste natürlich eine Strafe nach sich ziehen. So reihten wir uns leise murrend ein in die Schlange, die geduldig auf einen Platz im Restaurant wartete. Angezeigte Zeit: 144 Minuten bis zum nächsten freien Tisch. Wir wurden allerdings schon nach nur 20 Minuten mit leckersten Teigtaschen diverser Geschmacksrichtungen belohnt. Und waren uns einig: jede Minute des Wartens war es wert.  Angefüllt mit Erkenntnissen, Eindrücken, Erfahrungen und Geschmacks-Erlebnissen sind alle Reisenden nun müde und gespannt auf den neuen Tag morgen.   

 

Taiwan - die ersten Fotos sind gemacht 21.03.2025

23 Uhr Ortzeit. Hoffentlich liegen alle Frauen entspannt in ihren Betten. Zumindest haben das alle redlich verdient. Es war wohl gestern als die Gruppe sich aus vielen Orten Deutschlands auf den Weg machte, um gemeinsam Taiwan zu bereisen. Für die Anreise waren mal keine Katastrophen zu verzeichnen: alle Züge nach den Möglichkeiten pünktlich, alle Prozeduren am Flughafen entspannt zu meistern und sogar im Moloch Istanbul-Airport fanden sich die Reisenden aus Düsseldorf, München und Hamburg zur nun vollständigen Gruppe zusammen. Da stand doch den gut 10 Stunden Flug bis Taipeh nichts mehr im Weg. 

Einige Filme, Schlafversuche, Abfütterungen und ruhelosen Gang-Wanderungen später landeten wir in Taiwan. Da war es dann schon längst heute. Nach den Einreiseformalitäten erwartete uns Joanne, die freundliche taiwanesische Reiseführerin. Erste Fotos am Flughafen. Warum eigentlich? Na egal, noch sind wir brav. In unserem Reisebus zückten dann wir die Kameras - so schöne Deckenornamentik und Fenstervorhänge mit Fältchen und Litzen hat frau selten. Da bekommt das Reisen noch mal ganz besondere Qualitäten. Im Hotel angekommen brachte das leckere chinesische Abendessen dann ans Licht, wer zu Hause schon mal das Essen mit Stäbchen geübt hatte. Für die anderen hatte ein mitleidiger Kellner auch Gabeln zur Hand. Die Geburtstagsfeier am Nebentisch bereicherte die Gruppe spontan mit einem deutschen Geburtstagsständchen - das wird jetzt wohl schon von einem örtlichen Insta-Account viral gehen.

 Ungefähr 10-15 offizielle Fotos später freuten sich dann doch alle auf ein wenig Ruhe und ein Bett zum Ausstrecken. Morgen beginnen ja die Entdeckungen dieser Reise und da möchte schließlich jede fit und neugierig sein.

Und nur der Vollständigkeit halber: die Arbeitstreffen abends finden hier mit einem original Bubble Tea statt. Da hängt selbst die müde Reiseleitung doch gerne noch ein Stündchen Koordinationsgespräch an. Aber jetzt gute Nacht!

 

Taiwan 07.03.2025

16 Frauen brechen am 20. März 2025 zu einer 14tägigen Fernreise auf. Sie erkunden Taiwan - immer mit dem Blick dafür, was Frauen persönlich, politisch und gesellschaftlich bewegt und mit dem Ziel, eigene Eindrücke zu sammeln.

Taiwan, früher Formosa, die „schöne Insel“, zeigt ein Nebeneinander von Tech-Industrie und uralter Kultur. Die 14-tägige Reise führt - neben dem Kennenlernen von Frauenorganisationen und –initiativen - auch zu den touristischen Sehenswürdigkeiten und den Natur- und Kulturschätzen der Insel. Immer mit dem Blick dafür, was Frauen in Taiwan bewegt und dem Ziel, eigene Eindrücke über das Land zu sammeln.

Die erfahrene Reiseleiterin, Pfarrerin Antje Lütkemeier, berichtet in diesem Reisetagebuch ab Freitag, 21. März 2025 über ihre Erfahrungen und Begegnungen auf dieser Reise.