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Liebes Reisetagebuch! Die Koffer sind gepackt. Nun warten wir auf den Bus, der uns zum Flughafen bringt. Alle hoffen auf eine ruhige Reise ohne Verspätungen und dass wir heute Abend wohlbehalten zu Hause ankommen. Wir werden viel zu erzählen haben. Unsere Lieben zu Hause dürfen gespannt sein. Bis zum nächsten Mal!

Unser letzter Ausflug der Reise führte uns aus Ljubljana in die slowenische Voralpen-Welt nach Gorenjska in den Alpenferienort Bled. Er liegt – umgeben von bewaldeten Bergen – 500 Meter über dem Meeresspiegel und einige Meter über dem Spiegel des Bleder Sees, in dem sich einzelne Gebäude wirklich spiegeln. Nach einer knapp einstündigen Fahrt verließen wir unseren Bus an der Anlegestelle der Pletnas, der einzigartigen Plattboote, in denen der Bootsführer, der Pletnar, ca. 20 Personen über den See auf die einzige Insel Sloweniens befördert. Dazu nutzt er nicht etwa einen Motor, sondern eine besondere Stehrudertechnik mit zwei Rudern. Da wir etwas enger zusammenrückten, beförderte unser Pletnar unsere Gruppe, die aus 22 Frauen bestand und bestätigte uns, dass er nur sehr selten reine Frauengruppen befördert. Nach wenigen Minuten erreichten wir die kleine Insel, die schon in vorchristlicher Zeit ein Kultort war, wovon Ausgrabungen zeugen. Nun hieß es, die 99 Treppenstufen zu erklimmen. Oben angekommen erfuhren wir von Simona: Die erste christliche Kapelle auf der Insel wurde wahrscheinlich im 11. Jahrhundert gebaut. Die heutige Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist Maria geweiht. Der barocke Hauptaltar, in dessen Zentrum sich eine Marienfigur befindet, stammt von 1747. Unter den wenigen erhaltenen Fresken im Altarraum befindet sich eine seltene Darstellung der Beschneidung Jesu. Aber die meisten Touristen kommen wegen der Wunschglocke. Sie befindet sich im oberen Dachreiter über dem Kirchenschiff und das Seil hängt vor dem Altarraum von der Decke. Dieses Seil soll dreimal gezogen werden. Wenn die Glocke erklingt, werden sich die Wünsche erfüllen… Ob das auch für evangelische Wünsche gilt, werden wir noch erfahren…. Auf der Insel gibt es außerdem ein Café, einen Laden mit Andenken und wunderbare Ausblicke, die unbezahlbar sind. Nach einer Stunde hatten wir uns satt gesehen und unser Pletnar brachte uns wieder ans Ufer zurück. Die einen machten sich auf den ca. 6 km langen Spazierweg um den See, die anderen stiegen in den Bus und ließen sich in den Ort chauffieren. Hier stand zunächst die Besichtigung der neugotischen St. Martinskirche an. Danach musste jede tun, was sie wollte: Die einen wollten noch den Burgberg bezwingen (allerdings mit einem Taxi), die anderen wollten die berühmten Bleder Cremeschnitten probieren, die dritten den Blick auf den See genießen. Manche von uns schaffte in der freien Zeit alles… Von Bled aus fuhren wir am frühen Nachmittag nach Brezje, dem bedeutendsten Marien-Wallfahrtsort Sloweniens. Wir erhielten von einer Mitarbeiterin des Pilgerzentrums eine Führung durch die Kirche und das angrenzende Krippenmuseum. Auf dem großen bestuhlten Platz vor der Kirche, der in den Sommermonaten für die Sonntagsmessen genutzt wird, trafen wir uns zu einer Schlussreflexion unserer gemeinsamen Reise. Dieser Ort war dazu gut geeignet und viel ruhiger als die Terrasse unseres Hotels. Uns alle beeindruckt hat unsere Reiseführerin Simona, die mitteilte, dass sie sich in dieser Woche oft als Teil der Gruppe gefühlt hat und bei den Begegnungen auch viel über ihr Land gelernt hat. Doch wir haben noch viel mehr von ihr gelernt, weil sie uns die Geschichte und Kultur ihrer Heimat auf wunderbare Weise nahe gebracht hat. Zurück in Ljubljana blieb uns noch eine Stunde Zeit bis uns der Bus zu unserem letzten gemeinsamen Abendessen abholte. Heute gab es Fisch, den wir in gutem slowenischen Bier oder Wein schwimmen ließen. Wir waren uns alle einig: Dies war das leckerste Abendessen der Reise.

„Wenn du die Gesellschaft aendern willst, kannst du das niemals allein!“ - so koennten wir die intensiven Begegnungen heute zusammen fassen. Aber der Reihe nach:
Heute morgen trafen wir die beeindruckende Sonja Lokar (*1948). Sie war bereits zu Jugoslawienzeiten politisch aktiv und reflektiert ihre politische Laufbahn. Als 17-Jaehrige habe sie nicht begriffen, dass ein Ein-Parteiensystem niemals Freiheit und Demokratie bringen kann. Sie erklaert uns den blockfreien Kommunismus in Jugoslawien und die unterschiedlichen Motivationen fuer politisches Engagement. Und heute? Wie nur kann es gelingen, Frauen zu staerken und Rechte fuer Frauen politisch umzusetzen und eine menschenwuerdige Gesellschaft zu schaffen? Sonja Lokar hat viele politische Rueckschlaege erlebt und daraus ihre Lehren gezogen. Erfolgreich war sie immer erst dann, wenn Themen wie die Durchsetzung der Frauenquote im Parlament parteiuebergreifend gefordert wurde. Sie hat die Kraft von Frauenbuendnissen erlebt. Deshalb trifft sie - die Sozialistin - sich auch mit uns - Christinnen -, weil sie davon ueberzeugt ist, dass gesellschaftliche Prozesse von vielen Frauengruppierungen angestossen werden muessen., um erfolgreich zu sein.
Tief beeindruckt von diesem Gespraech braeuchten wir nun erst mal eine Mittagspause. Nebenbei gesagt: die Uebersetzungsleistungen von Simona und Birgit waren auch erstklassig.

Aber vor der Pause spazieren wir noch in die serbisch-orthodoxe Kirche und lassen uns einige Ikonen und die Geschichte dieser Kirche erklaeren. Insgesamt leben ca. 2,3% Orthodoxe in Slowenien. 

Nachmittags sind wir wieder zu Gast im Gemeinderaum der lutherischen Kirche in Ljubljana. Vier Weltgebetstagsfrauen erzaehlen uns von ihrem Engagement fuer den WGT. Erst seit Beginn des Jahrtausends gibt es in einigen Gemeinden in Slowenien den WGT. Dass sie die Gebetsordnung fuer den WGT 2019 erarbeiten durften, empfinden die Frauen als Ehre. Es ist aber auch eine grosse Herausforderung. Sie wuenschen sich, dass der WGT auch in Slowenien bekannter wird.

Und dann schliesst sich ein Gespraech mit Bischof Filo an. Er erzahlt uns die Geschichte seiner Kirche und der lutherischen Kirche in Slowenien und stellt die typischen Besonderheiten einer Diasporakirche vor. Eigene Zaehlungen gehen von ca. 8000 lutherischen Christinnen und Christen in Slowenien aus. Ohne finanzielle Hilfe von aussen, aber auch ohne Oekumene hat keine Kirche Zukunft. Auch hier wieder der Appell: arbeitet mit anderen zusammen, um etwas zu erreichen und zeigt euch. Das gibt er auch den WGT-frauen mit.

Mittlerweile ist es schon kurz vor 19 Uhr! Essenszeit. Ein Spaziergang durch das in der Abendsonne fast golden leuchtende Ljubljana tut uns gut ... und natuerlich auch das reichhaltige Essen in einem inklusiven Restaurant. Kaeseteller-Suppe-Salat-Hauptgericht-Dessert ...


... puh ein ganz schoen anstrengender und langer Tag mit vielen Eindruecken und wunderbaren slowenischen Menschen.

Nachdem sich gestern Termin an Termin reihte, hatten wir heute viel Zeit für eine ausführliche Erkundung der Stadt Ljubljana. Ausgeschlafen nach der ersten Nacht in unserem Hotel Birokrat (dessen Name im Slowenischen übrigens das Gleiche bedeutet, wie im Deutschen) und gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück, brachen wir um 9:30 Uhr auf zu einer Erkundung der Stadt. Um diese Zeit hatte sich der Morgennebel noch nicht gelichtet und wir hofften, dass es nicht zu heiß werden würde, obwohl die Wettervorhersage etwas anderes versprach.  Und sie behielt recht: Schon kurze Zeit später lachte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und heizte uns ordentlich ein. Sie ließ aber auch die vielfältigen Fotomotive der Stadt in einem besonderen Glanz erstrahlen. Der Stadtrundgang führte uns durch die verkehrsberuhigte Innenstadt. Anhand einer Fassadenreihe konnten wir die Unterschiede zwischen dem ungarischen, wiener und französischem Jugendstil wahrnehmen. Wir hörten vor seinem Denkmal die Geschichte der unglücklichen Liebe des Nationaldichters France Prešeren. Der Architekt Jože Plečnik  hat in der Stadt nicht nur die berühmten „Drei Brücken“ entworfen, sondern noch viele andere bedeutende Gebäude. Sein Plan, die Ljubljanica nach venezianischem Vorbild mit Gondeln befahren zu lassen, wurde leider nie umgesetzt. Nach zweieinhalb Stunden hatten wir viel von dieser bezaubernden Hauptstadt Sloweniens gesehen und wunderbare Geschichten und Erklärungen von unserer Reiseführerin Simona gehört. So können wir zu Hause mehrere Erklärungen erzählen, warum ein Drache das Wappentier der Stadt Ljubljana ist. Wir hatten uns eine Pause verdient, die wir in kleinen Grüppchen in einem der vielen Restaurants am Flussufer verbrachten. Gestärkt trafen wir uns nach einer Stunde wieder, um die Burg von Ljubljana zu erkunden. Dank moderner Technik mussten wir den Burgberg nicht selbst emporsteigen, sondern wurden bequem mit einer Standseilbahn hinauf gefahren. Oben angekommen ging es jedoch über zahlreiche Stufen auf Aussichtsgalerien, in den Vorführraum, in dem ein Film über die Geschichte der Burg gezeigt wurde, auf den Burgturm, der einen 360°-Blick über die Stadt und in das Umland von Ljubljana ermöglichte, in die Kapelle, in der wir  uns kaligraphisch gestaltete Lesezeichen schreiben lassen konnten, in das Museum der slowenischen Geschichte. Noch viel mehr hätte die Burg zu bieten gehabt (unter anderem das beste Feinschmecker-Restaurant Sloweniens, das wir aber leider nicht gebucht hatten), aber wir waren wirklich nicht mehr aufnahmefähig. So nahmen wir die Bahn zurück in die Stadt. Einige fuhren mit dem Bus ins Hotel, andere erkundeten die Stadt auf eigene Faust, oder machten es sich in einem der Ausflugschiffe auf der Ljubljanica bequem. Um 19:00 Uhr trafen wir uns alle wieder, um in einem traditionellen Restaurant die berühmte Krainer Wurst (kranjska klobasa) zu probieren. Angefüllt von den Eindrücken des Tages und dem guten Abendessen fanden wir den Weg zurück in unser Hotel. Morgen stehen wieder Begegnungen auf dem Programm. Wir sind schon gespannt.

Wuerzig ging es heute morgen los. Im lutherischen Gottesdienst in Maribo predigte Pfarerin Vladimira Mesaric Jazbinsek darueber, dass ChristInnen das Salz der Erde sind. Bitte nicht zu fade, aber auch nicht versalzen. Gut geschmeckt hat uns dieser slowenisch-deutsche Gottesdienst, sowie auch das anschließende Kirchkaffee mit Potica (slowenischer Kuchen - Rezept bringen wir mit :-) draussen bei blauem Himmel und Sonne. Und dann gab es noch einen nachdenlich machenden Einblick in die Geschichte der lutherischen Kirche in Maribo.
Und schon fuhr uns Busfahrer Andrej weiter zum Kartaeuserkloster von Zice, das in einer nahezu maerchenhaft anmutenden Landschaft liegt und Heilige Geistkraft vergangener Generationen spueren laesst. In der Kapellenruine konnten wir weisse Hochzeitsschuhe vor ueberwuchernden Mauern fotografieren; denn geheiratet wird viel und gern in diesem Gemaeuer. Und dann trafen wir Greta und ihren Mann Jure Rotmeier-Klancnik. Voller Begeisterung hat sie uns erzaehlt, wie sie mit viel Elan und Uberzeugungskraft in ihrer katholischen Heimatgemeinde seit 2001 den Weltgebetstag durchgesetzt hat. Fuer uns kaum vorstellbar, was es heisst, die WGT-ordnung erst einmal in slowenisch zu uebersetzen, bevor sie dann andere davon uberzeugt hat, dass der Weltgebetstag keine Sekte ist.
Und wieder hiess es: „sind die Teams komplett?“ Bei der Abfahrt litt der Bus etwas, da der Parkplatz so steil war, aber wir waren guter Dinge, zumal wir uns kaum sattsehen koennen an der Landschaft, durch die wir fahren. Gruen, als waeren ueberall Golfplaetze, Maisfelder, zwischendurch Doerfer mit huebschen Haeusern und Richtung Ljubljana dann Hopfen.
Aber erst mal Celje: die drittgroesste Stadt in Slowenien. Wir fahren zu einem Haus fuer Obdachlose und werden freundlichst empfangen von einigen BewohnerInnen, von der Leiterin Tatjana Ristic und von Alenka Voduncnik. Alenka kann uns alle Fragen zur Situation von Frauen in Slowenien beantworten. Ob Elternzeit fuer Muetter und Vaeter, Lohngerechtigkeit, Frauenquote: In Celje haben unterschiedliche Organisationen, Firmen, Parteien viel fuer Frauen erreicht, weil sie ein grosses gut funktionierenden Netzwerk haben und kooperieren. -
Natuerlich wollten wir auch noch etwas zu dem gastfreundliche Ort wissen, an den wir an einem Sonntag Nachmittag geladen waren. Ein Haus mit 25 Betten fuer obdachlose Frauen und Maenner. Obdachlosigkeit wird als voruebergehende Krise begriffen, aus denen Menschen heraus geholfen wird. In dem Haus wird eine Tagesstruktur gelebt, es gibt Beschaeftigung und Bewerbungstrainings; und die meisten verlassen das Haus nach 3 Jahren.
Voller Eindruecke haben wir dann noch die City von Celje mit beeindruckenden Gebaeuden angesehen, waren aber wohl nicht mehr die besten Zuhoererinnen. Simona, unsere Reisefuehrerin, trug es mit Fassung. Aber immerhin haben wir gelernt, dass es in Celje die einzigen Adeligen in Slowenien gab und es deshalb drei Sterne im Wappen von Slowenien gibt ... und dann war da noch eine unglueckliche Liebesgeschichte, die jedes slowenische Kind kennt.
Was nun noch zu erwaehnen ist? Ein Abendessen in netter Ambiente und Einchecken im Hotel mit dem sonderbaren Namen Birikrat in Ljubljana.