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Liebes Reisetagebuch,

mit einer Verspätung von mehr als einer halben Stunde sind wir wohlbehalten am Flughafen Frankfurt angekommen. Das bedeutete für einige der Teilnehmerinnen nach einem langen Reisetag zusätzlichen Stress, weil die Anschlussverbindungen, die sie heute noch zu Hause ankommen lassen würden, eventuell nicht mehr erreicht wurden. So fiel unser Abschied am Gepäckband entsprechend hektisch aus. Ausführlicher hatten wir uns schon am Flughafen Nur Sultan verabschiedet, weil dort schon abzusehen war, dass es hektisch würde. Trotz der Müdigkeit bin ich dankbar, dass alle wohlbehalten in Deutschland angekommen sind und trete müde aber zufrieden meine weitere Heimreise an. Bis zur nächsten Reise - so Gott will und wir leben...

Der letzte volle Tag in Usbekistan begann entspannt – Frühstück gab es ab 8:00 Uhr und danach mussten alle machen, wozu sie Lust hatten. Die einen gingen auf die Suche nach schönen Fotomotiven, die anderen nach den letzten Souvenirs, schließlich hatten einige Läden mitgeteilt, dass sie innerhalb von drei Stunden Blusen und Hosen nähen würden. Um 12:00 Uhr mussten wir unsere Zimmer räumen und uns von diesem urigen Hotel verabschieden.  Die Koffer wurden im Bus verstaut und unsere Stadtbesichtigung begann. Dazu verließen wir die Altstadt von Chiwa durch das westliche Tor, um sie mit den Eintrittskarten wieder zu betreten. Das gesamte Areal  ist ein Freilichtmuseum und UNESCO-Weltkulturerbe. Nur noch wenige Einheimische wohnen innerhalb der Stadtmauern der Altstadt, dafür gibt es viele kleine Hotels, Gästehäuser, Handwerksbetriebe  und Geschäfte, die die Touristenherzen höher schlagen lassen. Und natürlich die vielen historischen Bauten, zum großen Teil aus Lehmbau, vielfach aber mit Kacheln künstlerisch verziert. Unsere Guide Rauschan wollte uns 10 der 60 wichtigsten Sehenswürdigkeiten zeigen und so machten wir uns auf den Weg durch die Altstadt. Wir besuchten auch heute Medressen, Moscheen, Mausoleen, die drei wichtigsten Ms unserer Reise. Um uns zu stärken gab es eine Mittagspause mit einer typischen Eierspeise der Region, die uns bis zum Abendessen derartig stärkte, dass die Mutigen auf das Minarett stiegen und den Ausblick von oben per Kamera festhielten. Das Abendessen hatten wir im Restaurant einer jungen erfolgreichen Geschäftsfrau, die schon mit 27 Jahren drei Geschäfte, eine Fabrikation, ein Hotel und ein Restaurant besitzt. Sie teilte mit uns ihre Lebensphilosophie, die uns sehr beeindruckte. Vom Restaurant aus ging es mit dem Bus zum Flughafen in Urgench. Inzwischen sind wir in Taschkent gelandet, haben im Hotel eingecheckt und freuen uns auf einige wenige Stunden im Hotelbett, bevor wir morgen die Heimreise antreten.

Nicht nur wir verließen heute nach dem Frühstück unser Hotel in Buchara, sondern auch noch eine japanische, eine chinesische und eine israelische Reisegruppe. Entsprechend laut und unruhig war das Frühstück und das Auschecken. Trotzdem war unser Gepäck pünktlich um 8:00 Uhr im Bus verstaut und wir machten uns auf den 480 km langen Weg von Buchara nach Chiwa. Acht Stunden Fahrtzeit standen uns bevor, davon einige Stunden durch die Rote Wüste, die Kizilkum-Sandwüste. Aus Buchara raus war die Wegstrecke noch recht gut, um dann wieder in einer abenteuerlichen Piste zu münden, auf der Tempo 40 schon zu schnell war. Durch die Wüste konnten wir aber auf einer gut ausgebauten vierspurigen Schnellstraße wirklich gut voran kommen. Die lange Fahrt wurde nur durch einige kurze Foto- und Boxenstopps unterbrochen. Die Rastmöglichkeiten, die wirklich gut aussahen, waren leider alle noch nicht zu Ende gebaut, so dass wir auf eher schlichte Örtlichkeiten mit olfaktorischen Herausforderungen und niedrigem hygienischen Standard oder den Wüstensand ausweichen mussten. In unserer Mittagspause aßen wir in einem Fernfahrergasthof eine sehr gute Rindfleischsuppe, die uns für die letzten Fahrtstunden stärkte. Nach  16:00 Uhr erreichten wir Chiwa. Unser Hotel liegt innerhalb der historischen Stadtmauern und wir waren vom Charme des Hotels und der Stadt gleich gefangen genommen. ZUm Abendessen gingen wir über Kopfsteinpflaster in ein Restaurant mit einfallsreicher schmackhafter Küche. Gegen 19:00 Uhr war es dann schon sehr dunkel und die historischen Gebäude waren angestrahlt - eine Kulisse für die Märchen aus dem Orient. Morgen werden wir uns an unserem letzten Tag diese Stadt bei Tageslich ansehen.

Heute Morgen verließen wir Buchara und fuhren entlang vieler Baumwoll- und Maisfelder. In diesen Tagen beginnt die Baumwollernte und wir sahen auf vielen Feldern schon Pflückerinnen und Pflücker. Die erste Ernte der besten Baumwolle geschieht immer noch manuell.  Unsere Reiseführerin hatte uns erzählt, dass die Arbeit in der Baumwollernte bei den Menschen sehr beliebt sei, weil sie von ihrer normalen Arbeit freigestellt würden, der Lohn weiter gezahlt würde und sie zusätzlich den Akkordlohn aus der Ernte erhielten. Vor einigen Tagen hatten wir einen eskortierten Konvoi von mindestens zwanzig Linienbussen gesehen, der Fabrikarbeiter zur Baumwollernte fuhr. Heute hielten wir an einem Baumwollfeld, um die Pflanzen aus der Nähe fotografieren zu können. Rauschan zeigte uns, wie die Ernte funktioniert und erzählte, dass die Pflanzen in der Sowjetzeit stark Pestizid-belastet gewesen seien, so dass sie bei der Ernte nach Möglichkeit Handschuhe getragen habe. Heute würden die Pflanzen nach der ersten Erne mit Entlaubungsmittel behandelt, weil die zweite Erne maschinell erfolge. Wir fuhren nach Gijduvan und besichtigten eine Handtöpferei, einen Familienbetrieb in 7. Generation. Der Chef selbst erklärte uns die einzelnen Stationen der Keramikherstellung, die Zusammensetzung des Tons, der Farben und Lasur (bei der sie selbst die Pottasche aus einer bestimmten Pflanze selbst herstellen).  Die Führung endete in der  Verkaufsausstellung. Der ganze Betrieb war optimiert für die Führung und den Verkauf an Touristengruppen. Auch in unserer Gruppe fand so manches Stück eine neue Besitzerin.  Von hier aus fuhren wir zur Sommerresidenz des letzten Emirs von Buchara, Sitorai Mohi Khosa. Hierbei handelt es sich um eine Gebäudegruppe, die russische, europäische und orientalische Stilelemente in sich vereinigt. Am frühen Nachmittag erreichten wir wieder Buchara und der ganze restliche Tag stand zur freien Verfügung, das heißt, alle mussten tun, was sie wollten. Was es auch war, sie waren es zufrieden und wir kamen als Gruppe fröhlich zum Abendessen wieder zusammen. Danach hieß es Koffer packen, weil es morgen früh auf lange Busfahrt geht: Über acht Stunden soll die Fahrt durch die Wüste nach Chiva dauern.

Nach den Anstrengungen des gestrigen Tages fing der Tag heute "unbedingt gemutlicher" (O-Ton) an. Ausgiebiges Frühstück und Abfahrt um 10 Uhr zu dem Mausoleum von Ismail Semani aus dem 9. Jhd., beeindruckend durch seine Schlichtheit aus runden und quadratischen Ziegelelementen. Danach ging es zu unserem Stadtrundgang durch die Altstadt von Buchara: Versuchungen lauerten an allen Ecken. Neben den großartigen Perspektiven und Einblicken, denen die Fotografinnen erlagen, lockten überall farbenprächtige Tücher, Taschen, Keramik, etc, Versuchungen, denen die Shopperinnen nicht widerstehen konnten.

Aber zunächst wurde unsere Aufmerksamkeit auf ein weiteres Mausoleum, diesmal aus dem 12. Jahrhundert gelenkt. Eine heilige Quelle inklusive. Nächster Punkt des Interesses war die Zitadelle, Sitz der Emire von Buchara. Weiter ging der Stadtrundgarng zu einem Komplex von Medresse, Moschee und Minarett. Das Minarett zwang den großen Dschingis Khan, seine Kopfbedeckung abzunehmen (er schaute daran hoch, die Mütze fiel vom Kopf), die Moschee nötigte der Gruppe echtes Staunen ab. Die Vielzahl der Säulen und ein wunderbarer Koranrezitator entführten in eine andere Welt. Die Mittagspause fand in der Cafeteria einer Schwäbin statt, mit deutschem Kuchen und Kartoffelwaffeln. Dann war es endlich soweit: die Gruppe stürzte sich in die Einkaufswonnen der Marktkuppelbauten. Mit letzten Kräften schauten wir dann noch die Attraktionen des Lyabihauz-Komplexes. Zum Beispiel auch das Denkmal des Nasreddin Afandi, orientalischer Till Eulenspiegel.  Zum Beispiel lernte Nasreddin einmal Arabisch in einer Medresse. Eines Tages wollte der Lehrer ihn prüfen und fragte: "Wie heißt Kalb auf Arabisch?? Nasreddin wusste es nicht, antwortete aber: "Mein Lehrer, die Araber warten, bis das Kalb erwachsen ist. Dann nennen sie es KUH."

Wir hingegen gingen in die Synagoge und lernten viel über die Heiligkeit des bucharischen Judentums. Der Rabbi zeichnete sich unter anderem aus durch ein unerschütterliches Selbstbewusstsein.

Danach erlebten wir eine sehr positive Überraschung beim angekündigten Plov-Kochen. Wir mussten nicht wirklich für unser Essen arbeiten, lernten aber viel über die Geheimnisse des usbekischen Nationalgerichts. Außerdem nahmen wir das Essen im Ausstellungsraum eines Miniaturenmalers ein, der auch noch in die Philosophie des usbekischen Sufismus einführte. Ärmer an Som, aber reicher an schönen Einkäufen, Eindrücken, Erfahrungen und Ideen kehrte die Gruppe ins Hotel zurück - müde aber neugierig auf den morgigen Tag.