Menschenhandel

Opfern von Menschenhandel muss die Chance gegeben werden zu Beratung und medizinischer Versorgung; zur Klärung ihres Aufenthaltstatus und zur Erstattung einer Anzeige. Ein vor Menschenhändlern sicheres Umfeld ist dafür Mindestvoraussetzung.

Menschenhandel

Menschenhandel ist ein Verbrechen. Es ist sexualisierte Gewalt zumeist an Frauen und Mädchen und ein Straftatbestand im Sinne des Strafgesetzbuches, §232 StGB.

Opfer von Menschenhandel sind überwiegend Frauen und Mädchen aus Ost- und Südeuropa, aber zunehmend auch aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie werden mit falschen Versprechen auf Arbeit oder Ehe nach Deutschland gelockt. Sie können die deutsche Sprache nicht und sind damit im fremden Land hilflos. Sie wissen darum, wie notwendig es ist, ihre Familien in den Herkunftsländern zu unterstützen.

Psychischer Druck und physische Gewalt

In Deutschland werden sie mit erheblichen psychischen Druck und physischer Gewalt zur Prostitution gezwungen oder daran gehindert, aus der Prostitution auszusteigen.
In Deutschland angekommen, werden sie in Bordelle, bordellähnliche Einrichtungen oder auf den Straßenstrich gebracht und müssen dort der Prostitution nachgehen.

Menschenhandel ist ein lukratives Geschäft für die Täter.
Die Gewinne sind vergleichbar mit jenen im Waffen- und Drogenhandel, die Strafen fallen jedoch weitaus geringer aus.

Menschenhandel ist ein Kontrolldelikt und für die Verurteilung der Täter werden Zeuginnen benötigt. Eine Aussage bedeutet für die von Menschenhandel betroffene Frau, dass sie sowohl dem Druck und der möglichen Gewalt durch den Täter gegen ihre eigene Person als auch gegen ihre Familien in den Herkunftsländern standhalten müssen.

Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. versucht seit Jahrzehnten, Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, auf unterschiedliche Weise zu helfen.


Die spezialisierte Beratungsstelle für von Menschenhandel betroffene Frauen wird gefördert durch das Land NRW.

sowie durch die Stadt Bielefeld, die Kreise Gütersloh, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke, Paderborn, die Stiftung "Zukunft des Wittekindkreises", Kirchen, Stiftungen, Vereine und Privatpersonen


Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel (NADESCHDA)

Die Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel (NADESCHDA) hat ihren Sitz in Herford und wurde 1997 gegründet. Sie ist für den Raum Ostwestfalen zuständig.

Ihr Name „Nadeschda“ kommt aus dem Russischen und heißt „Hoffnung“.
NADESCHDA wurde 1997 auf Initiative einer Gruppe von Frauen im Rahmen der Dekade „Kirchen in Solidarität mit den Frauen 1988 - 1998“ gegründet. Trägerin ist die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V.

Im Jahr 2017 begehen wir ihr 20jähriges Bestehen. In diesen zwanzig Jahren haben sich die Herkunftsländer der Frauen verändert, die Wege nach Deutschland und in die Prostitution sowie die Zugänge zur Beratungsstelle; nicht aber die individuelle Not der einzelnen Frauen, die Traumatisierung und der Bedarf an fachlicher Unterstützung auf dem Weg der Gesundung.

Die besonderen Lebenssituationen von Menschenhandel betroffener Frauen machen eine umfassende Sozialberatung und individuelle Betreuungsangebote notwendig, um Notsituationen zu bewältigen und langfristig die Situation der von Frauenhandel Betroffenen zu verbessern.

Dazu gehört u.a.:

  • Sichere dezentrale Unterbringung: In einem sicheren Umfeld kann eine betroffene Frau Vertrauen aufbauen, Abstand zur erlebten Gewalt finden und so evtl. bereit sein, gegen Menschenhändler auszusagen und der Belastung eines Prozesses standzuhalten.
    Die Beratungsstelle hat daher ein umfangreiches Unterbringungsnetz aufgebaut, um die psychische und physische Genesung der Opfer zu gewährleisten. Dies ist eine wichtige Maßnahme des Opferschutzes.
  • Versorgung mit Lebensmitteln, Bekleidung und Hygieneartikeln: Dank individuell verabredeter Spenden ist es der Beratungsstelle auch möglich Kinderkleidung, Kinderwagen und Babyzubehör bereit zu stellen.
  • Psychische Betreuung im Rahmen des Opferschutzes: Die Beratungsstelle vermittelt diese, um die Auswirkungen von körperlicher Gewalt, Bedrohung und Einschüchterung zu lindern.
  • Soziale und medizinische Betreuung: Viele Frauen sind in einem schlechten gesundheitlichen Zustand (Unterleibserkrankungen, HIV-Infektion). Viele Klientinnen kommen gegen Ende einer Schwangerschaft in die Betreuung, ohne bisher eine einzige Vorsorgeuntersuchung gehabt zu haben.
    Zudem sind häufig ungewollte Schwangerschaften durch Zwangsprostitution und Vergewaltigung zu verzeichnen. Die Beratungsstelle hilft in allen Fällen konkret und unbürokratisch.
  • Hilfen zum Lebensunterhalt: Die Beratungsstelle hilft im Umgang mit Ämtern und Behörden, um z.B. Aufenthaltsstatus und Leistungsansprüche der Betroffenen zu klären.
  • Begleitung der Opfer bei Strafprozessen: Die Beratungsstelle begleitet Opferzeuginnen in Menschenhandelsverfahren vor Gericht. Sie sind in diesen Situationen einer besonderen Belastung und Druck ausgesetzt.
    Eine ehrenamtlich tätige Prozessbegleitgruppe unterstützt diese Aufgabe.
    Die Beratungsstelle setzt sich für das Wohl, die Würde und den Schutz der Opferzeuginnen ein.
  • Wiedereingliederung und Prävention: Die Beratungsstelle hilft bei der Beantragung von gültigen Ausweisdokumenten, die den Betroffenen in der Regel fehlen. Ebenso wird die von vielen Frauen gewünschte schnellstmögliche Ausreise begleitet. Um eine sichere Rückkehr der Frauen in ihre Heimatländer zu gewährleisten, werden dort Kontakte zu Frauenprojekten oder Kirchengruppen aufgenommen.
    Um die Präventionsarbeit in den Herkunftsländern zu unterstützen, beteiligt sich die Beratungsstelle an internationalen Netzwerken.
    In den letzten Jahren hat die Anzahl der westafrikanischen Frauen unter den Klientinnen stark zugenommen. Nationale und internationale Vernetzung haben sich dieser Verschiebung angepasst und die interkulturelle Kompetenz wurde weiter ausgebaut. Viele Frauen werden auf dem Flucht- und Asylweg Opfer von Menschenhandel. Das bedeutet, dass Fortbildungen für Mitarbeitende in den Asyl-Unterkünften, Sprechstunden und Begleitung in Asylverfahren einen weiten Raum der Arbeit einnehmen.
  • Politische und Lobbyarbeit: Die Beratungsstelle setzt sich für eine Verbesserung der rechtlichen Situation von Opfern von Menschenhandel - z.B. für ein Bleiberecht der Opferzeuginnen - ein. Sie ist daher Mitglied in regionalen und bundesweiten Bündnissen und beteiligt sich an Kampagnen.

Spendenkonto

Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V.
Sparkasse SoestWerl

BIC:
WELADED1SOS
IBAN:
DE27 4145 0075 0003 0296 00

Stichwort:
NADESCHDA

Prozessbegleitgruppe

Menschenhandel ist Frauenhandel - das ist auch in Ostwestfalen traurige Realität.
90% aller Opfer von Menschenhandel sind Frauen und Kinder.
Etliche der betroffenen Frauen sagen vor Gericht gegen ihre Peiniger aus - eine quälende Prozedur für diese traumatisierten Frauen. Hier beginnt die Arbeit der Prozessbegleitgruppe, (gegründet 1999).

Etwa 20 ehrenamtliche Frauen aus Ostwestfalen versuchen, den Opferzeuginnen im Gerichtssaal den Rücken zu stärken. Durch eine Telefonkette werden sie über einen anstehenden Prozess in Herford, Bielefeld, Osnabrück oder andernorts informiert.
Wer Zeit hat, fährt hin. Für die Opferzeuginnen ist es wichtig, dass auch andere im Zuschauerraum sind, nicht nur Freunde und Angehörige ihrer Peiniger.

Fotosstrecke

Begleitung der Opfer bei Strafprozessen durch unsere ehrenamtlich tätige Prozessbegleitgruppe.

prozessbegleitgruppe

Flüchtlingsberatung

Seit April 2016 wird die Beratungsstelle NADESCHDA durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration aus dem Bundesprogramm „Empowerment von Flüchtlingsfrauen“ unterstützt.

Mit Hilfe der Förderung aus dem Bundesprogramm kann ein notwendiger Ausbau der Arbeit der Beratungsstelle NADESCHDA angesichts der Flüchtlingszahlen im Einzugsbereich der Beratungsstelle und der zahlreichen von Menschenhandel betroffenen Frauen und ihrer Kinder verstetigt werden.

Die personellen und finanziellen Kapazitäten der Beratungsstelle Nadeschda reichen für die in den vergangenen Jahren zu beobachtenden steigenden Zahlen von Opfer von Menschenhandel, die auf dem Asylweg nach Deutschland gekommen sind, nicht aus. Weibliche Flüchtlinge sind nicht nur auf dem Asylweg sondern auch in Deutschland gefährdet, Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung zu werden.

Der Ausbau von Aufklärung, Schutz und psychosozialer Begleitung ist nur mit zusätzlichem Personal und Sachmitteln möglich.
Für die jeweiligen Laufzeiten des Förderprogrammes „Empowerment von Flüchtlingsfrauen“ kann zusätzliches Personal bei NADESCHDA eingestellt und können Stellenanteile zeitlich befristet erhöht werden.

Mehrsprachiges Infomaterial über die Hilfen für Opfer von Menschenhandel auf dem Asylweg in NRW ist im Rahmen des Projektes in einer hohen Auflage produziert worden und über die spezialisierten Beratungsstellen für Opfer von Menschenhandel in ganz NRW an die Flüchtlingshilfe weitergeleitet worden, damit die Zielgruppe in den Aufnahmeeinrichtungen und Kommunen flächendeckend die Chance auf Information hat. Die Adressen aller spezialisierten Beratungsstellen für Opfer von Menschenhandel in NRW sind in dieser Broschüre veröffentlicht.

Beratungen in Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes NRW für Flüchtlinge im Einzugsbereich und psychologische Krisenintervention der Klientinnen der Beratungsstelle NADESCHDA werden dadurch ermöglicht. Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeitende in den Landesunterkünften, für Wachdienste und andere wurden und werden konzipiert und in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung durchgeführt.


Gefördert durch

Nadeschda
Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel
Bielefelder Straße 25
32051 Herford
Tel.: 05221 840200
Fax: 05221 840201
e-Mail: info@nadeschda-owl.de
Internet: www.nadeschda-owl.de

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